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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1904-01-01 · Heft 1 (Januar 1904) · p. Seite 35

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
48 (1904)
Issue
Heft 1 (Januar 1904)
Article
Heinrich Graetz
Date
1904-01-01
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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Heinrich Graetz. Ein Lebensbild. 35 Verhältnisse eine so grundstürzende Umwandlung erfahren, dass die Juden in den neuen Zuständen sich anfangs gar nicht zurecht zu finden vermochten. Gegen die staatlichen und wirtschaftlichen Mächte war nicht anzukämpfen, ihnen musste man sich ohne Weiteres anzuschmiegen suchen. Dagegen war man mit aller Kraft bestrebt, die religiöse Observanz und die überkommene Sitte im altgewohnten Geleis, rein und unberührt von fremden und verdächtigen Einflüssen, zu erhalten. Das talmudische Schrifttum sollte auch ferner Ausgangs- und Zielpunkt alles Lernens und Wissens bleiben, die religiösen Formen oder die als religiös angesehenen Lebensgewohnheiten sollten von ihrer rigorosen Strenge und Geltung nichts einbüssen. Dem Drängen und Mahnen der preussischen Regierung, durch Errichtung geeigneter Schulen für eine zeitgemässe Er- Ziehung und Ausbildung der Jugend zu sorgen, wusste man bald durch Ausflüchte, bald durch Versprechungen auszuweichen. Auf die Dauer waren jene Einflüsse trotzdem nicht fern zu halten, Funken von dem Berliner Aufklärungsherd flogen nach der Provinz herüber und traten bald in einer Grossgemeinde sichtbar zu Tage, und zwar in Posen, das über den talmudischen Ruhm und die a!- tersgraue Frömmigkeit seines Ghetto’s stolz und eifersüchtig wachte. In Posen wurde nämlich das Rabbinat erledigt, und man hatte i. J. 1802 für dessen Besetzung den Bruder des verstorbenen Rabbiners, einen Stocktalmudisten alten Schlages aus dem feinen Tarnopol, Samuel ben Moses Pinchas Falkenfeld, Verfasser des בית שמואל אהרון, in Aussicht genommen. Da wagten es einige jüngere Männer, allerdings unter fingirten Namen, bei der Regierung gegen die Wahl eines ״rohen Polack“ Protest einzulegen, für welchen die Menge ״durch die kabbalistische Fabel״ eingenommen werde, ״dass nach einer angeblichen Genealogie dieser »Podoiier zu demjenigen Stamme gehöret, aus welchem 3*

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