Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 40 (1895-1896)
- Issue
- Heft 1 (Oktober 1895)
- Article
- Das Fragmenten-Targum zum Pentateuch, sein Ursprung und Charakter und sein Verhältniss zu den anderen pentateuchischen Targumim
- Date
- 1895-10-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Fragmenten-Targum zum Pentateuch. :heit um eine reale Unterlage keineswegs so gross, wie es von vornherein den Anschein hat; es giebt immerhin auch hier ■eine Anzahl von. Kriterien und sicheren Anhaltspunkten, welche ■diese Grundlage zu bieten geeignet sind. Die nachstehende Untersuchung sieht von jeder Voraus- Setzung von vornherein ab; vielmehr stellt sie sich die Aufgäbe, ausschliesslich auf Grund einer Reihe von thatsächliehen Momenten, die bisher theils überhaupt nicht beachtet, theils nicht genügend zu Rathe gezogen worden sind, alle oben erwähntenי das Fragmente 11 ־Targum betreffenden Prägen zu erörtern und hoffentlich auch befriedigend zu beantworten. Vorerst aber wollen wir in eine Prüfung früherer Ansichten eintieten, und zwar beginnen wir mit derjenigen Geiger’s, weil sie in neuester Zeit wieder einige Beachtung .gefunden hat. I. Kritik der früheren Ansichten. 1. Geiger’s Ansicht über die palästinensischen Targumim zum Pentateuch ist nicht frei von einer gewissen Tendenz. Sie stellt im Dienste seiner bekannten Theorie von der grossen Revolution, welche angeblich die durch R. Akiba repräsentirte ״neue Halacha“ in dem gesummten jüdischen Schriftthum her vorgerufen habe, insofern sie aus demselben alle Spuren der ״älteren Halacha“ gewaltsam zu beseitigen und gänzlich zu verwischen bestrebt gewesen sei. U111 dies nun auch an den Targumim nachzuweisen, um zu zeigen, wie auch hier die ursprünglichen Zeugnisse für die ״alte ITalacha“ durch Aenderungen in ihr Gegentlieil umgewandelt worden seien, geht G. von der Voraussetzung aus, im Pseudo-Jonathan liege uns ein Targum vor, das in der Hauptsache und seiner ganzen Anlage nach aus der Zeit der ,,alten Halacha‘4 herrühre, also in die Zeit der ersten Tannaim, ja noch weit darüber hinaus zurückreiche, das jedoch nachfraglich im Geiste der ״neueren Anschauung“ berichtigt und um geändert worden sei, und zwar nicht immer geschickt und consequent, so dass sich ״auf höchst merkwürdige Weise meistens dem alten ungeänderten Targum-Texte Neues anschloss“. Ein zweiter derartiger Berichtigungsversuch, der indessen nur auf einzelne Stellen beschränkt geblieben, liege uns ferner im Fragenenten-Targum vor; dasselbe enthalte bericlitigende Glossen zum alten Targum, in welchem meistens auch 1*