Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 37 (1892-1893)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die ersten Emancipationsbestrebungen der Juden in Breslau
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829640-2829642-2844958--24604-2845009- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
48 Emancipations-Bestreb ungen in Breslau. wollender Mann, dessen Hauptbestreben es war, mehr durch Nachgiebigkeit, Sanftmut und Milde als durch unnachsichtige Strenge zu wirken. Zudem war er ein hochgebildeter Philanthrop, der für Wissenschaft und Kunst das regste Interesse hatte, und dessen Haus den Sammelplatz der her- Torragendsten Gelehrten bildete. Für die Juden hatte er schon früher das lebhafteste Interesse gezeigt; er gehörte zu jener Zahl aufgeklärter und gebildeter Staatsmänner, die unter Friedrich dem Grossen nicht eben selten waren, zu Männern wie Dohm, Manitius, d’Asnieres 11. a., die einsahen, dass man in der Behandlung der Juden nicht länger so wie bisher fortfahren könne. Hoym war noch dazu ein begeisterter An־־ hänger Mendelssohns, unter dessen Arbeiten sich eine für jenen bestimmte philosophische Abhandlung befindet. * 2) Personlieh bekannt und befreundet mit den Trägern aller Reformgedanken im Mendelssohn’schen Kreise hatte er eingehende Kenntniss yon dem, was den Juden fehlte, und was ihnen not that, und mit Staatsmännisehem Blicke wusste er oft genug besser die einzuschlagenden Wege anzugeben und zu überblicken selbst als die Männer, die aus dem Kreise der Judenheit ihm mit Rat und That zur Seite standen. Unter Friedrich des Grossen Regierung freilich war es nicht angebracht gewesen, sich allzusehr und allzuoffen für die Bestrebungen der Unglückliehen, bedrückten Religionsgenossenschaft zu interessieren, und da es in dem Wesen des Grafen lag, als königstreuer Beamter nur ungern von den Ansichten seines Fürsten in der Yerwaltungspraxis abzuweichen, so hatte er damals nicht eben häufig Gelegenheit gehabt, seine den Juden so wohlwollende Gesinnung zu bethätigen. Dies änderte sich durchaus mit der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms, dessen Güte und Wohlwollen den Juden gegenüber ihm natürlich nicht unbekannt waren. (Fortsetzung folgt.) ג) Dohm ist bekannt genug; über die letztgenannten Staatsbeamten vergl. Geiger I, 59 f. 2) Kayserling, S. 551 f.} Abhandlung über Enthusiast, Visionär, Fanatiker.