Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 33 (1884)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Stellung der deutschen Juden innerhalb der gesammten Judenheit
- Date
- 1884-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
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20 Ueber die Stellung der deutschen Juden das heißt je nach der Meinung des Publikums, auf das sie rechnen, theilen sich die Ansichten, ob dieser ueue Staat im heiligen Lande oder anderswo zu gründen wäre. Jüngst stellte sich uns eine solche russisch-jüdische Idee sogar im deutscher Gewände vor. Die neuhebraistischen Blätter jubeln, daß solche Schrift hier, in der Burg der antinational-jüdischen Bestrebungen gedruckt werden konnte. Unsere nichtdeutschen Glaubensbrüder in den Culturstaaten haben allzu wenig gethan, solchen Träume-׳ reien Nüchternheit entgegenzusetzen, und, als vollends die uns so überaus wohlgesinnte britische Dichterin in ihrem Daniel Derondain viel glänzenderen Farben noch, als der aus jüdischsephardischem Stamme entsprungene Dichter und Staatsmann in seinen Romanen es gethan hatte, die nationale Wiedergeburt Israels auf heiligem Boden Palästina's verherrlichte, da erfüllte sie die höchste Begeisterung. Wie hätten nun da unsere östlichen Glaubensbrüder nicht glauben müssen, Staatsmänner und Judäophilen harrten nur des Augenblicks, den Juden einen neuen Staat zn gründen, oder den alten in erneuter Herrlichkeit ihnen wiederzugeben? Berlin allein blieb nüchtern; daher der ״Aufklärung Berlins", der neuen nicht minder, wie der alten, in der neuhebräischen Presse der entgegengesetzten Schattirungen der ausgesprochenste Haß entgegengebracht wird. Man sollte sich doch von der Geschichte belehren lasten. Hat nicht unter Anderen ein edelmüthiger dänischer Christ gegen Ende des 17. Jahrhunderts (1697), Öliger Pauli mit Namen, Memoranden an den König von England und den Dauphin von Frankreich gerichtet, worin er für die Wiedergeburt der israelitischen Nation in Palästina schwärmte, und hat er nicht für dis Verwirklichung dieser seiner Lieblingsidee Millionen hingeopfert, und welches war der Erfolg? Keiner, den die Geschichte für denkwürdig genug gehalten hätte, ihn aufzuzeichnen'). Und ') S. Graetz X S. 28? ff.