Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 21 (1872)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1872-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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48 Recensionen. teit, mit welchen ein moderner Humanitätsapostel zu kämpfen hat, aber er bekundet auch ein seltenes Geschick, sie niederzuringen und zu überwinden. Die milde und gleichmäßige Wärme des Vortrags, das reine, klare Herz, das überall sich wiederspiegelt, das Helle wohlbegründete Urtheil, das jeden Fehler entschuldigt, indem es ihn erklärt, das Alles muß, so glauben wir, selbst auf den widerwilligeil Leser eine große Anziehungskraft ansüben; wer für das Zukunftsideal nur schwärmt, der ist zuineist ungebührlich hart und inhuman gegen die Schwächen der Gegenwart. Wer aber es wahrhaft liebt und im Herzen hegt, der zeigt seine menschenfreundliche Gesinnung zuvörderst darin, daß er mitten im Gestrüpp wild auswachsender Schlingpflanzen dein Guten nachspürt und es hervorsucht. Dieser miibe Ton, der gern anerkennt, und schwer und ungern verurtheilt, er klingt wohlthuend durch alle Reden des Vers., und zudem hat er es wohl herausgefühlt, daß er den Jetztlebenden die Humanität in konkreten, historischen Gestaltungen vorführen inüsse, daß sie gewissermaßen mehr das vom Leser selbst zu ziehende Facit, denn der Gegenstand feiner Vortrüge sein dürfe. Hierdurch dienen dieselben auch der Verherrlichung der jüdischen Religion. Es dringt ür Kern und Wesen des Judenthums, er vergleicht die mosaische Gesetzgebung mit vielgerühinten gesetzgeberischen Versuchen des Alterthums, er führt große und einflußreiche Personlichkeiten aus jüdischen Kreisen in lebensvoller Darstellung uns vor Augen, und wir erkennen aus alledem, fast ganz ohne Zu« thun des Autors, daß die Humanität nichts Neues voir gester>r ist, sondern die alte sinaitische Offenbarung. Hunranität und Judenthun innig verschlungen, und fast in eins zusammengewachsen, das ist das Bild, welches der gelehrte und geistvolle Autor uns zeichnet und mit vielen aus einem großen Wissensschätz hergeholten Details ausstattet. Aber selbst wenn wir diese hunlanitäre Tendenz, die sich wie gesagt nirgends hervordrängt, außer Acht laffen, verdient diese Sammlung von Vorträgen Beachtung um des reichen historischen Stoffes willen, den sie enthalten, und um der geschmackvollen populären Einkleidung; überall verräth die Sprache, auch da, wo nicht die Predigtform gewählt ist, den wortgewandten Kanzelredner, der auch einen trockenen Stoff mit dem Säst seiner Rede erfrischen kann; diese Samnilung, die so vieles bringt, über Mendelsohn, über Esra, über Moseh und Lykurg, über Prophetie und Poesie im Judenthum, über Humanität in Bibel und Talmud, über den Schulchan Aruch u. s. w. wird sicherlich jedem ihrer Leser, deren wir ihr recht viele wünschen, etwas bringen. -s--4s-^s-