Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 18 (1869)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1869-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829374-2829376--11792-2843762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
48 Monatschromk. Der neugewählte Präsident der amerikanischen Staaten, General Grant, hat es für nöthig gefunden, sich aus Interpellation der Presse wegen einer Depesche zu rechtfertigen, die er während des Krieges in scheinbar judenfeindlichem Tone erlassen hatte. Er erklärte offenherzig, das; jene Depesche eine Uebereilung gewesen sei, und daß er keinerlei Antipathie gegen irgend eine Nace oder ein Religionsbelenntniß hege. In Pest tagt in diesem Monate ein jüdischer Congreß, der aus der breitesten Basis der Autonomie die inneren Angelegenheiten der ungarischen Gemeinden regeln soll. Der Cultusminister erklärte, daß sich die Regierung von jeder Einmischung fernhalten wolle. Es ist der Wunsch aller theilnehmenden Israeliten, welche ihre Augen auf dieses in der bisherigen Geschichte der Juden in der Zerstreuung beispiellose jüdische Parlament gerichtet halten, daß die Deputirten ihre schwierige Mission mit Takt und Mäßigung erfüllen mögen. Der neue Minister des Innern in Rumänien, Cogalnitchano, welcher in Folge des Sturzes des jndenfeindlichen Ministers Brati ano das Portefeuille erhalten hat, hat ein Circular an die Präfekten erlassen, worin er betonte, daß die Regierung entschlossen ist, nachdrücklich alle Einwohner des Landes ohne Unterschied des Cultus zu schützen. Zu einem Israeliten sagte Cogalnitchano: ״Sie kennen meine guten Gesinnungen für Alles, was die israelitische Frage betrifft" (Israelitulii Romanu Nr. 30). Mögen damit die Leiden der rumänischen Juden ihr Ende erreicht haben. Die österreichischen Blätter theilen eine Curiosität mit: Der Dichter Bert hold Auerbach habe der Gemeinde von Eger versprochen, einen Roman zu schreiben, -von dessen Erlös eine Synagoge in diesem Badeorte erbaut werden soll. So sehr diese Offerte dem Dichter Ehre inacht, so hätte sie die Gemeinde doch nicht acceptiren sollen. In den Provinzen Ost- und Westpreuhen hat sich ein jüdischer Studien-Unterstützungs-Verein gebildet, der eine sehr lobenswerthe Tendenz verfolgt. Mehrere Rabbinen und hochgestellte Laien stehen an der Spitze desselben. Der erste Anreger desselben war vr. Bamberger, Rabbiner von Königsberg in Preußen. Unterzeichneter sucht das Mannscript לקט שטעיגי über Jonathan Eibenschütz' kabbalistisches System und bittet den Inhaber desselben, ihm Anzeige davon zu machen. Dr. H. Graetz.