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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1868-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
17 (1868)
Issue
Heft 1
Article
Curiosum [Nachricht] / J. F.
Date
1868-01-01
Page
Seite 35 (sequence 2)
Language
German
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Analekten. 35 derte Leser einen ihm theueren Namen in die nicht schmeichelhafte Nähe von Karaiben und Kamschadalen ,,zwischen Tiger und Leue mitten hinein“ versetzt. Das Erstaunen verwandelt sich jedoch sofort in ein herzliches Lächeln über den seltsamen Schnitzer, der R. Mei'r den Glauben autbürdet, dass ,,die Zähne der Kinder stumpf werden, wenn die Väter saure Trauben essen". So arg ist dieser Schnitzer, dass nur die Achtung vor dem hochverdienten Verfasser uns veranlasst, ihn überhaupt zu erwähnen. Zuerst nun haben wir Bastian die ihm gewiss erfreuliche Mittheilung zu machen, dass jene Worte ״des Rabbi Mei'r" auf eine viel höhere Autorität zurückgehen, nämlich auf die Propheten Jeremia und Ezechiel. ״In jenen Tagen", so lieisst es bei dem ersten c. 31 V. 29, ״wird man nicht mehr sagen: die Väter haben saure Trauben gegessen und die Zähne der Kinder sind stumpf geworden, sondern ein Jeder wird um seine Schuld sterben; jeder Mann, der saure Trauben gegessen, dem werden die Zähne stumpf werden". Und bei Ezechiel c. 18 V, 2: ״Warum führt Ihr immer das Spruch wort im Munde . . . : die Väter essen saure Trauben und die Zähne der Kinder werden stumpf"? u. s. w. Dem scharfsinnigen Ethnographen brauchen wir nicht zu beweisen, dass die Propheten nichts jenem tollen Aberglauben Aehnliches haben sagen wollen; dass wir hier nur ein recht anschauliches und von den alten Hebräern gewiss oft gebrauchtes Sprüchwort vor uns haben, das besagen soll: der Eine müsse oft für die Sünde des Andern büssen, der ganz unschuldige R. Mei'r z. B. für den Irrthum Bastians. Denn sicherlich ist es nicht die Schuld des R. Mei'r, dass die Angabe des Talmuds (Synh. 38b) R. Mei'r habe in einer Fabel dies Thema behandelt, so gröblich missverstanden wurde. Dass der berühmte Reisende nun eines so ungeheuerlichen Schnitzers fähig war, ist auffallend, dass Männer wie Lazarus und Steinthal ihn passiren Hessen, nur damit zu entschuldigen, dass sie den Aufsatz B.’s. nicht gelesen haben. Wünschenswertli aber wäre, dass man in Zukunft die einigermaassen bekannte Literatur der Juden mit etwas anderen Augen ansehen möge, als die Sitten von Karaiben und Kamschadalen. J. F.

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