Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 16 (1867)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension] / -p-
- Date
- 1867-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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׳■■^■־' ׳־ - ״■Ke׳cenäiöneri:־ünd׳ Anzeigen. fenden Gegenständen nur eine entfernte Aehnlichkeit haben, für j! die wirklichen Erscheinungen ausgeben, und so, da die Phäntasiä stets zu Uebertreibungen geneigt ist, das Object ihrer Dar- Stellung entweder identificiren oder karrikiren. Denn nur Wenigen hat die Natur die Gabe verliehen, sich so in fremde Verhältnisse vertiefen zu können, da.ss sie auch das ihnen Fremdartige rein und unverfälscht und doch voll Leben und Frische wiederzugeben vermögen. Gleichwie der dramatische Dichter dann am tiefsten greift, dann ain wahrsten schildert, wenn er selbsterlebte Ereignisse zur Grundlage seines Kunstwerks nimmt, so wird auch derjenige, der es unternimmt, die Cultur eines Volkes in ihrer Eigenart darzustellen, dann am besten seiner Aufgäbe genügen, wenn das Leben dieses Volkes ein Stück seines eigenen bildet. Aber gleichwie jeder Mensch sein Wesen und seinen Charakter nur dann zu begreifen vermag, wenn er das Thun und Lassen anderer Menschen genau beobachtet, gleichwie jeder Selbsterkenntnis Menschenkenntniss vorangehen muss, so kann auch die Eigentümlichkeit eines Volksthums nur von demjenigen erfasst werden, dem seine Bildung eine klare Einsicht in die Triebfedern gewährt, welche die ganze Menschheit bewegen und treiben. Das Buch, welches wir an dieser Stelle anzuzeigen haben, bietet einen concreten Fall, an welchem unsere eben ausgesproebenen Ansichten klarer und bestimmter hervortreten werden. Es liegt uns nämlich eine Novellensammlung vor, in welcher der Verfasser, wie aus dem Vorwort erhellt, eine Charakteristik des polnischen Judenthums zu liefern beabsichtigt. Wer uns einen Einblick in die eigentümliche Denk- und Lebensweise dieses für Ost-Europa so hochwichtigen Volksstammes verschaffentwill, der muss, nach dem oben Entwickelten, sozusagen selbst einmal ein polnischer Jude gewesen sein, jetzt aber das jüdisch-polnische Wesen überwunden und die Bildung der Zeit sich zu eigen gemacht haben; er muss auf die frühere Epoche seines Lebens zürückblicken, wie der reife Mann auf seine Jugend; muss gebildet genug sein, um sich auf seine Bildung nichts zugute zu tun; er darf nicht Groll und nicht Vorurteil hegen gegen die Zustände, unter denen er selbst früher gelebt und vielleicht auch gelitten hat, sondern muss an sie herantreten mit einem durch Wissen und Erfahrung gereiften, unparteiischen Urteil, darf