Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 82 (1938)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 355 werden viele Dokumente, die hier zum erstenmal gedruckt wurden, auch für die Geschichte der J. Galiziens von nicht unerheblichem Interesse sein. Sehr oft wird auf die Besteuerung der J. in diesem Lande Bezug genommen, einmal (Nr. 15) sogar auf die Verzehrungssteuer in Mähren und Böhmen hingewiesen. Der größte Teil der Urkunden sind Steuerfragen gewidmet. Nicht uninteressant ist es zu erfahren, daß 1807 es nur 2 Familien gab, die im Erbpachtbesitz von Landgütern waren (Nr. 21a. Zur wirtschaftlichen Bedeutung dieser Familien, Lazar und Brunstein mit Namen, werden die neulich in der Vierteljahresschrift Zion III, 276 ff. abgedruckten Briefe einiges beitragen.) Nicht sehr ehrenvoll, erfahren wir, benahm sich die B.er Judenschaft ihren aus Galizien einwandernden Brüdern gegenüber, die erst jüdisches Wissen und jüdische Kultur in der neuen Heimat verbreiteten. Das wichtigste Dokument ist unstreitig Nr. 22, das den Ausweis aller zu Beginn des Jahres 1808 in der Bukowina seßhaften Juden enthält. Es ist für die Familienforschung besonders wichtig, daß alle Ackerbau treibenden Juden darin namentlich angeführt werden. Zu bedauern ist, daß nur die transkribierten und nicht auch die hebräischen Unterschriften in der Arbeit wiedergegeben werden. Der Name Adania Maderer auf S. 95 (der Vorname Isak scheint hier ausgefallen zu sein, vgl. MGWJ 1928, 377 Anm. 3) ist mit dem auf S. 86 angeführten Isak Schmul Adania identisch. Seinen Namen dürfte er in spaniolischer und nicht in türkischer Schrift unterfertigt haben. Es handelt sich wahrscheinlich um einen aus der anatolischen Stadt Adania eingewanderten sefardischen Juden. In der schon ein* mal erwähnten Urkunde (Nr. 22) findet sich auch ein gewisser Abraham Agaton, in dem, sollte der Name auch richtig gelesen worden sein, wir einen Abkömmling der Romanioten oder, wie diese in der sefardischen Responsenliteratur genannt werden, Gregos sehen müssen. Der Schluß des Verfassers, daß A. aus Griechenland stammt, ist nicht zwingend. Auf jeden Fall zeigen diese Namen, daß auch nichtaschkenasische Juden in der Frühzeit die Bukowina besiedelt haben. Trotz größter Sorgfalt scheinen sich einige Druckfehler eingeschlichen zu haben. S. 88, Z. 5 von unten ist lesen: Dezember statt November, S. 93, Z. 7 von unten: v. M. statt d. M., S. 94, Z. 16 von unten: Mai statt März, u. a. — Auf S. 85 (Nr. 5) hat der Verfasser den Unterschied zwischen den Namen der Hauseigentümer und den Trägern der 3 folgenden Unterschriften nicht deutlich genug hervortreten lassen. Trotz Beglaubigung seitens des Kahals scheint die Urkunde nicht wörtlich übersetzt worden zu sein, da aus den 3 Richtern, die die Unterschrift beglaubigen, plötzlich Zeugen werden. In einem auf S. 72/3 abgedruckten Erbschaftsvertrag unterschreibt ein Jude: Elieser bemerer Jehiel Mihel. Statt in bemerer die Transkription der hebräischen Abbreviatui במהר״ר zu sehen, konjiziert R.: ben Meir. Der Verfasser versteht es, alles anschaulich und flüssig darzustellen. Die ״Jüdisch-historische Gesellschaft in Cernauti“, deren Ehrenpräsident Dubnow ist, hat eine gute Wahl getroffen, gerade dieses Buch als erstes seit ihrer Gründung er-, scheinen zu lassen, und es ist zu hoffen, daß sie Mittel und Wege findet, diesem Werke auch andere folgen zu lassen. Wünschenswert wäre es 24*