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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1937-01-01 · Heft 6 · p. Seite 479

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
81 (1937)
Issue
Heft 6
Article
Die Schicksalserforschung der römischen Kaiser in der Agada
Date
1937-01-01
Page
Seite 479 (sequence 2)
Language
German
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Die Schicksalserforschung• der römischen Kaiser in der Agada 479 Dem Knaben wurden die Augen verbunden, vielleicht um ihn von der profanen Umwelt abzuschließen oder damit er nichts Ungünstiges sehen müsse. Im Mittelalter pflegte der Knabe beim Schauen in den Spiegel wie bei einer heiligen Handlung zu knieen8. Der Spiegelzauber wird übrigens noch einmal im. Midrasch erwähnt: ״Durch einen Spiegel hat Jakob vorhergesehen, daß seine Hoffnung in Ägypten ist“3 4. 2. Das Pfeilorakel. Einer anderen Form der Schicksalsbefragung bediente sich, wie der Talmud erzählt, der Kaiser Nero. Als er nach dem hl. Lande kam, warf er Pfeile nach allen Himmelsgegenden. Alle Pfeile fielen nach Jerusalem. So erkannte der Kaiser, es sei von Gott bestimmt worden, Jerusalem zu zerstören5. Anders als im Talmud wird das Pfeilorakel bei Hieronymus geschildert. Die mit Namen gezeichrieten Pfeile wurden in einen Köcher gesteckt und gemischt. Ein Pfeil wurde herausgezogen, und er gab die Entscheidung6. Das Pfeilorakel war nicht nur bei den Chaldäern und bei den Römern, sondern auch bei den Arabern üblich. Die Araber legten dabei drei Pfeile in ein Gefäß. Der eine trug die Aufschrift: ״Mein Gott befiehlt mir“, der zweite: ״Mein Gott verbietet mir“, und der dritte blieb leer. Wurde der dritte Pfeil gezogen, so legte man ihn in das Gefäß zurück und unterließ das Weiterziehen oder setzte es fort, bis der günstige oder ungünstige Pfeil die Entscheidung der Frage herbeiführte7 * 9. 3. Das Schriftorakel. Tertullian erzählt von den Magiern, sie verstünden Knaben so zu behandeln, daß sie Orakel- Sprüche von sich geben8. Die römischen Kaiser Hadrian und Alexander Severus befragten die Zukunft aus den Schriften Yergils, die als Orakelbücher verwendet wurden9. Eines 3 Plin. h. n. 16, 37; Hist. Aug. Did. Julian. 7, 10; vgl. Dieterich, Kl. Sehr. 517. 4 Pauly״Wissowa RD s. v. 7.az0TZTp0\m'n2ia 28. 5 Gittin 56a. 6 Hieran. Comm. in Ez. 2126,27; vgl. Paul Scholz, Götzendienst und Zauberwesen, Regensburg 1877, 75. 7 Chaldäer s. Cyr. Alex, in Mich. 412; Römer s. Liv. 21, 62, Ciic. de divin. 2, 41, 85; Araber s. Flügel, Losbücher der Muhammedaner, Leipzig 1861, 28. 8 Tertull. Apol. 23. 9 Comparetti, Vergil im Mittelalter, Leipzig’ 1895, 44 ff.

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