Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Protokoll der Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums am 14. Juni 1937 [Nachricht] / Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 318 (sequence 2)
- Language
- German
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318 Protokolle Das Sabbatgebot war eine gesetzgeberische Tat, der die Völker des Alter״ tums, die ihr mit Spott und Unverstand begegneten, nichts Gleichwertiges an die Seite zu setzen vermocht haben. Sozial und humanitär, zumal in seiner Rücksicht auf Mensch und Vieh, ruht das Gebot doch vor allem auf religiöser Grundlage. Es war nicht ,mehr eine volksnahe, naturverbundene Religion, sondern bereits eine Religion hoher Vergeistigung und theolo״ gischer Kontemplation, die den Sabbatgedanken entstehen ließ und ihn mit solcher Inbrunst umfing, daß sogar das Schöpfungswerk nach dem Vorbild der Sabbatinstitution zu einem sechs Tagewerk geformt wurde: in dieser Weise sei der Kausalzusammenhang zwischen dem Dekalog und dem ersten Kapitel des Pentateuchs zu deuten. Die Sabbatmaiße gab! die Möglichkeit zu religiöser Erbauung, zu seelischer und intellektueller Entfaltung; der Sabbat hat die Familie geheiligt, die Gemeinde geschaffen, zu sozialer Gesinnung, Einigkeit und Frieden arigehalten; er hat Israel die Kraft ge~ geben, auf seinem Lebenswege auszuharren. Endlich fand die Sabbatidee im Gedanken des Weltensabbats ihre Krönung. — Das eröffnet die Reihe der fünf Gebote, die das Verhalten gegenüber den Mitmenschen regeln, darf aber andererseits auch als eine Überleitung von den vier ersten zu den fünf letzten Geboten verstanden werden, da die Eltern, deren Ehrung hier vorgeschrieben wird, in naturgegebener Rangordnung gleichsam Gott folgen. Die Beziehung zwischen Eltern und Kind ist die;einzige menschliche Beziehung, die von einer unbestreitbaren und unbestrittenen, weil natur״ gesetzlich begründeten Autorität getragen ist; nur hier ist wahrhaft gott״ gewollte Abhängigkeit. Für die Wertschätzung der Pflicht der Elternliebe ist es bezeichnend, daß das fünfte Gebot und1 dies allein mit der Zusiche״ rung langen Lebens im Lande ,verknüpft ist, wobei nicht , an individuelle, sondern an nationale Existenz zu denken ist; und auch diese ist nicht im natürlich biologischen Sinne zu , verstehen — dann sollte man als Voraus״ Setzung hier die Pflicht der Kindererzeugung erwarten — sondern sie ist durchaus im sittlich religiösen Sinne gemeint. — Zu einer allgemeinen Würdigung des Dekalogs übergehend, sah der Vortragende einen seiner bemerkenswertesten Züge in der Unmittelbarkeit, mit der in ihm das gött״ liehe Ich in persönlicher Anrede sich dem Menschen zuwende. Eine der״ artige von Gottverbundenheit und Gotterfülltheit zeugende Haltung־ des Gesetzgebers konnte nur auf dem Boden des Monotheismus entstehen. Die Wucht des sprachlichen Ausdrucks macht weiterhin den Dekalog zu einem einmaligen und einzigartigen Dokument religiöser Gesetzgebung. Der Vor« tragende schloß mit dem׳ Hinweis auf die weltgeschichtliche Nachwirkung'־ des Dekalogs. Reicher Beifall dankte dem Redner für seine Ausführungen. Der Vor״ sitzende dankte, dem Vortragenden und schloß die Versammlung um 2134 Uhr. gez. E. Mittwoch. gez. I. Elbogen. Ausschußsitzung am 14. Juni 1937, 2134 Uhr. Anwesend: Elbogen, Jacob, Jaulus, Mittwoch, Stein, Spanier. Der Ausschuß konstituiert sich und wählt aus seiner Mitte laut Satzung § 9 Absatz 2 und 3 den Vorsitzenden, den Schriftführer, den Schatzmeister und deren; Stellvertreter, und zwar die Herren: Professor Dr. Eugen Mittwoch, als Vorsitzenden, Professor Dr. Ismar Elbogen, als Schr i f t f ü hr er, Rabbiner Dr. Leo Baeck, a 1 s s t e ll v. V o r s i t z e n d e n, Dr. Arthur Spanier, als stellv. Schriftführer, Alfred Jaulus, a 1 s S c h a t z m e i s t e r; Schluß der Sitzung 21% Uhr' gez. E. Mittwoch. gez. I. Elbogen.