Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 81 (1937)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 23)
- Language
- German
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Eine spanisch-jüdische Bilderbibel um 1400 209 Bücher, in denen Christus und Maria erwähnt werden, einzubinden. Im Lichte dieser Tatsachen wird uns erst das Entstehen der mit figuralen Szenen reich geschmückten Kairuaner Bibel verständlich: zusammen mit dem vernichteten Teil der Genesis dürften es 50 bis 60 Szenen gewesen sein. Daraus folgt, daß die Juden nicht immer bilderfeindlich gesinnt wären, daß in den wechselvoilen und bewegten Zeitiäuften der jüdischen Kulturgeschichte ״corsi“ der bilderfreundlichen mit den ,ficorsi/‘ der bilder stürmenden Tendenzen ab wechselten. Und eines der interessantesten, auch am reichsten entwickelten Beispiele der spanisch-jüdischen, figuraten Bibelillustration war die verschollene Bibel aus der ägyptischen Synagoge zu Kairo. Sollte mich allerdings zum Schluß jemand fragen, worin eigentlich das Jüdische dieser Bibeldekoration besteht, müßte ich wahrheitsgemäß ant- Worten: außer der Bestimmung der Handschrift, den hebräischen Schriftzügen und etlichen ikonographischen Besonderheitern — in nichts. Deswegen betitelte ich die vorliegende Arbeit eine spanisch-jüdische Bilderbibel, und nicht umgekehrte Denn der jüdische Charakter äußert sich hier keineswegs in diesem Sinne, in welchem die Kunstformen ein plastischer Ausdruck der in den tiefsten Schichten der Volksseele waltenden Kräfte und Erinnerungen sind. In dem Sinne sind die ältesten synagogalen Malereien und Mosaiken der ersten christlichen Jahrhunderte, die Miniaturen in den hebräischen Handschriften der aschkenasischen Juden, die Wandmalereien in den polnischen Synagogen und das Kultgerät des 17. und 18. Jahrhunderts, sowie die visionäre Malerei eines Mark Chagall, inhaltlich und formal jüdisch. Die Bilder der Kairuaner Bibel sind gerade so, wie die der Haggadah- Kaufmann, angelernte Kunst und unterscheiden sich in nichts von den Illustrationen der katalanischen Handschriften, obwohl sie zweifellos von Juden ausgeführt — und für kunstliebende Juden bestimmt waren. Monatsschrift, 81. Jahrgang 14