Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 542 (sequence 2)
- Language
- German
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542 Bücherschau Die Richtung der Arbeit ergab sich aus dem Bestreben des Vf., den sehr verschiedenen Anschauungen (vgl. S. 44 über rabbinische Anthropomorphismen!) und Gesichtspunkten seiner Lehrer Ginzberg und Kaplan durch eine Synthese Rechnung zu tragen, bei welcher Ginzberg, der auch wertvolle Text Verbesserungen beigesteuert hat, den philologischen Gehalt, Kaplan vorwiegend den weltanschaulichen bestimmt. Daß die Verbindung dieser Gesichtspunkte ein gewisses Wagnis darstellt, fühlt IC. offenbar selbst, und ihre Überwindung ist nicht durchweg geglückt. Wird die Aufgabe kulturpsychologisch in Kaplans Sinne aufgefaßt, so sollte das ganze rabbinische Schrifttum, möglichst mit Seitenblicken auf den Rationalismus, als Grundlage dienen; die Beschränkung auf Seder Eliahu wäre nur zu rechtfertigen, wenn entweder die Besonderheit dieser Schrift herausgearbeitet würde, was dem Vf. bei seiner hohen Einschätzung der Einheitlichkeit des rabbinischen Schrifttums sehr fern liegt, oder wenn sich aus der neuen Betrachtungsweise besondere Aufschlüsse für diese Schrift ergäben; damit scheint IC. insofern zu rechnen, als seine Betrachtungsweise gewisse Widersprüche dieses Buches mildert (S. 33 f.); in Wahrheit zeigen die Unterschiede der Geschichtsbilder (bald drei, bald sieben Perioden, von denen die letzten nicht ausgeführt sind), daß hier durch Ineinander- Schiebung verschiedener Schriften Unebenheiten entstanden sind, die keine weltanschauliche Betrachtung harmonisieren kann. — Auch gegen die Grundanschauung des Vf. erheben sich Bedenken. Es ist nicht abzusehen, warum K. von den Leitideen der rabbinischen Religionsansehauung gerade jene vier heraus greift: der Glaube an die Gotteben־ bildlichkeit des Menschen erscheint z. B. nicht minder grundlegend. Aber solche Anstöße und auch das Vorbeigehen an wichtigen Erscheinungen auf judaistischem wie auf kulturpsychologischem Gebiet (z. B. Leisegang, Cassirer) sollen nicht darüber täuschen, daß der Vf. nicht nur durch sorgfaltige, liebevolle Arbeit ein erfreuliches specimen eruditionis abgelegt und wichtige Bausteine zur Darstellung der rabbinischen Theologie geliefert hat, sondern daß die Schrift dieses jungen Gelehrten, richtig gelesen, jedem Mitforscher starke methodische Anregungen geben kann. Neben den sehr verdienstlichen philologischen und kulturgeschichtlichen Arbeiten über den Midrasch brauchen wir unbedingt auch solche, die das Schaffen unserer Lehrer psychologisch begreifen, die geschichtliche Notwendigkeit eines solchen — vom rationalistischen unterschiedenen — Denkens dartun und vielleicht auch sein systematisches Recht untersuchen. Je bestimmter der Verf. diesen eigentümlichen Gesichtspunkt zur Geltung bringt, um so dankbarer werden wir ihm für die Fortsetzung seiner Untersuchungen sein. I. Heinemann. Bücherschau Besprechungen vorn Herausgeber. Arthur Titius, Die Anfänge der Religion bei Ariern und Israeliten, Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht, 1934, 84 S., kart.-M. 2,80. Zwischen den Anfängen der Religion bei Indern und Persern einerseits, Israeliten