Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 533 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 533 (ZATW 1933, 29 ff.) hat uns Gulkowitsch manches zu sagen. Im bewußten Gegensatz zur psychologistischen und zur historisch-psychologischen Arbeitsart geht er den demütigen Weg der Sprachwissenschaft. Alle Bibelverse, wo חסיד vorkommt, fast durchgehend in Psalmen, werden zusammengestellt (S. 33 auch mit ihrer Targumübersetzung) und untersucht. Der Untersuchung wird die fruchtbare Beobachtung zugrunde gelegt, daß der Plural fast stets, der Singular fast nie mit dem Zusatz ה׳ versehen ist; die wenigen Ausnahmen erklären sich durch Schwankungen des Qere und Ketib oder durch Textänderungen. Gulkowitsch meint, חסד bedeute den Bund (Gottes mit seinen Getreuen)1, חסיד sei also der ,,Verbundene“, חסידיה׳ seien die mit Gott Verbundenen, die Gemeinschaft Israels, die wirkliche (konkrete) Volksgesamtheit. In der weiteren Entwicklung verfeinerte, vertiefte, versittlichte sich der Begriff חסידי ה׳ von einer realen zu einer idealen Gemeinschaft, חסיד wurde der Fromme. In den Makkabäerbüchern bezeichne fAa10aT0t nicht eine Sekte, noch eine Partei, sondern das Volkslieer als Kämpfer für die Sache Gottes, also die 2.חסידי ה׳ Gulkowitsch behandelt auch die griechischen Termini im X. T., welche einem hebräischen חסיד entsprechen dürften. Eingehend untersucht wird auch die Übersetzung von חסיד in der Septuaginta (allgemein in der Hexapla), im Targum, in der Peschitta, G. gewinnt den ,,Eindruck . ., als sei dem Targum der חסיד-Begriff nicht mehr lebendig“. Es wäre doch gewiß zwischen den einzelnen Targumim zu unterscheiden: Prophetentargum geht auf tannaitischen Ursprung zurück, der s. g. Onkelos bietet viel altes Gut, wohingegen der ebenfalls angeführte Targum zur Chronik späterer Zeit etwa dem X. Jahrhundert entstammt. Ähnliches gilt für die Peschitta, deren einzelne Bücher verschiedenes, teils jüdisches, teils christliches Gepräge tragen. G. stellt uns auch die besondere Bearbeitung des talmudischen Stoffes in erfreuliche Aussicht3, Aber auch schon damit, was uns diesmal geboten wird., zieht die Wissenschaft des Judentums würdig in die Lehrhallen der verehrenswerten Dorpater Universität ein4. Bernhard Heller. Arsene Darmesteter et D. S. Blondheim: Les Gloses Fran9aises dans les Commentaires talmudiques de Baschi. Tome premier, Texte des Gloses. 1 Im 0 sxouaiaCopvG׳; toj v0|ku des Makkabäerbuchs vermutet Gulkowitsch שמרי ברית קדש; vielleicht ließe sich eher an שומרי תורה denken, das ja Prov 284 vor liegt. 2 Freilich steht diese Voraussetzung der Grundbedeutung von חסד und הסיד keineswegs außer Zweifel. 3 Dabei wird wohl auch die gediegene Arbeit über החסידים הראשונים berücksichtigt werden, welche in der Bibliographie S.. 29 keinen Platz gefunden: Ad. Büchler, Types of Jewish Palestinian Piety. 4 Auch Eduard Meyer (Ursprung und Anfänge des Christentums, Widmung an Beinhold Seeberg) verherrlicht die ,,alte herrliche Universitätsstadt Dorpat“.