Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 399 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829991-2829997-2838528--52246-2838622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Besprechungen 399 spricht er die Baugeschichte der 1839 eingeweihten Synagoge. Aus dem Abdruck der zahlreichen Eingaben und Gutachten über den Bau dürfte für die Allgemeinheit von besonderem Interesse sein, in welcher Weise der ,,schärfste Geist in der Gemeinde“, Dr. Pinhas, sich dagegen wendet, daß man behördlicherseits der Gemeinde eine Synagoge in ägyptischen Bauformen aufoktroieren wollte. Er schreibt: (S. 55) ,,denn hier soll nicht Erde noch Breite noch Macht der Pharaone, die ganze Eronvölker zu ihren BaudienstleiBtungen zwangen, zum Ausdruck gebracht werden, sondern es soll der lebendige, geoffenbarte Schöpfer, der Grund aller Sittlichkeit, der in Unmittelbarkeit zu seinen Menschen stehende Vater und Herzenskündiger eine Stätte seiner Anrufung erhalten. Für diese Gottesverehrung zeugen nicht kolossale und an sich wunderwürdige Bauten, sondern allein eine einzige Urkunde, die die Glieder der weit zerstreuten Familie überall wohl bewahren, wohin auch immer zum Lebensaufenthalt sie höhere Fügung führte.“ Daß sich Pinhas gegen jedes ,,Orientalisch Bauen“ wendet, ist umso beachtenswerter, als gerade die folgende Generation die maurisch-orientalische Bauweise als die gegebene für Synagogen angesehen hatte. Der auch als Kunstschriftsteller bekannte Albrecht Rosengarten ist der Architekt des Baues, dem eine bedeutende, monumentale Wirkung nicht abzusprechen ist, wobei der bis ins 20. Jahrhundert bei Synagogenbauten beliebte Ekklektizismus glücklich vermieden ist. So gehört Rosengarten zu den ersten jüdischen Synagogenerbauern. Die zur Darstellung gebrachten Abbildungen von Grabsteinen aus den Jahren 1680—1840 zeigen einen beachtenswerten Duktus besonders darum, als es sich hier auch um liegende Grabplatten handelt, wie sie bei sephardischen Friedhöfen üblich sind. Ritualstücke, Miniaturen und Gemälde jüdischer Persönlichkeiten, zumeist von jüdischer Künstlerhand gefertigt, sind weitere wertvolle Beigaben des Werkes. Alfred Grotte. Büchersdban Besprechungen, soweit nicht gezeichnet, vom Herausgeber Almanach des Schocken-Verlags auf das Jahr 5694, Berlin, Schocken- Verlag, 1933/34, 132 S., enthält u. a. folgende Aufsätze: Martin Buber, Der jüdische Mensch von heute; Leo Baeck, Umwälzung und Umwandlung; Richard Beer-Hofmann, Prolog-Entwurf zu ,,Der junge David‘c; Martin Buber, Geschehende Geschichte; Franz Kafka, Ueber Kierkegaards ״Furcht und Zittern“ und den Erzvater Abraham; Franz Werfel, Die Blindschleiche. Der uralte Ahn; Gerhard Scholem, Nach der Vertreibung aus Spanien. Zur Geschichte der Kabbala. Vier talmudische Gespräche. Deutsch von N. N. Glatzer; S. J. Agnon, Die Erzählung vom Kopftuch; A. D. Gordon, Ein Gruß von der Mutter, Zur Bibelübersetzung (Ein Brief Franz Rosenzweigs und Bruchstücke aus zwei Vorträgen Leo Weißmantels.) Saul Chajes, Bibliographie der Schriften Bernhard Wachsteins, Wien 1933, Selbstverlag der Bibliothek der Israel. Kultusgemeinde, 23 S.