Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Leo da Modena über die Schrift "Kol Sachal"
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 385 (sequence 2)
- Language
- German
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Leo da Modena über die Schritt ,,Kol Sachal“ 885 Glauben (ygl.JFritz Baer, Abner von Burgos, im Korrespondenz - blatt der Akad. für die Wiss. des Judent., Berlin 1929, 36—37). Allein Modenas Divan, der soeben erschienen ist (herausgegeben von Dr. S. Bernstein, Philadelphia 1932) enthält ein Epigramm, das aller Wahrscheinlichkeit nach sich auf die Schrift 1,,Kol Sachal“ bezieht; hier wird sie ausdrücklich als Erdichtung (,,Lüge“) bezeichnet. Unter Nr. 153 (in der Hs. Nr. 348) lesen wir folgendes Epigramm: בל הכתוב ומאומף פה על איש סכל וקרב לבו ״ דע, הקורא, כי בכתב על דדך כיטב השיר כזבוAlles, was hier über den ״Sachal“ und den Kampf seines Herzens geschrieben und gesammelt wurde, wisse, Leser, daß es nach der Art' (des Spruches), das Beste am Gedicht ist seine Lüge (Erdichtung) geschrieben worden.“ Trägt das Epigramm an sich deutliche Hinweise auf den ״Kol Sachal“, so wird dies auch durch den Platz, den es im Divan einnimmt, bestätigt. In der Tat findet sich dieser Spruch merkwürdigerweise inmitten von Grabinschriften aus den Jahren 1622—1625; die 6 vorhergehenden Stücke 342 bis 347 enthalten Grabinschriften aus den Jahren 1622 (beginnend .mit derjenigen für seinen Sohn Sebulun) und 1623, die darauffolgenden 349—355, solche aus 1624—1625. Nun erzählt Modena in der Einleitung zum ״Kol Sachal“, daß die Schrift während seiner Trauer um den Tod seines Sohnes Sebulun (1622) in seine Hände gelangte, er aber erst 1624 Zeit hatte, sich mit ihr zu befassen. Sie ist also zwischen 1622 und 1624 entstanden,; daher findet das Epigramm seinen Platz unter den Grabinschriften aus dieser Periode. Modena erkläit demnach, daß seine Angaben über den איש סכל als Erdichtung (״Lüge“) aufzufassen seien. Man wird wohl begreiflicherweise hierin eine Bestätigung der Meinung Reggios und Geigers zu finden geneigt sein; allein ich glaube, daß mit der Annahme einer redaktionellen Beteiligung und der erdichteten geschichtlichen Einkleidung dem Ausdruck ״Lüge“ im Epigramm Genüge getan ist und unsere Hypothese über den Da Costa-Grundstock der Schrift dadurch nicht entkräftet wird. Allerdings müssen wir aber jetzt der Erdichtung Modenas bedeutend weiteren Spielraum einräumen. Monatsschrift, 77• Jahrgang 25