Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 313 behandelt werden, und nicht dreimal unter den gesonderten Themen der Tragödie, der Komödie und der Lyrik. In der Literatur sind die Person'• lichkeiten von weit größerer Bedeutung als die literarischen Formen, weil sie lebendige und schaffende Kräfte sind, die Formen dagegen nur die bequemen Klasseneinteilungen der Gelehrten bilden. Waxman hat sich durch die strenge Befolgung seines Planes in viele Schwierigkeiten verwickelt. Kapitel VII widmet er der Grammatik und der Lexikographie, Kapitel VIII der biblischen Exegese; daher behandelt er in beiden Kapiteln dieselben Gestalten, weil es im Mittelalter fast keine Grenzlinie zwischen diesen zwei Disziplinen gab. Die massoretischen Akzente und Vokale, welche unter der Grammatik behandelt werden, gehören gewiß auch der Exegese an; und daß die Mahbereth Menahems und die Wörterbücher Ganahs und Kimchis alphabetisch geordnet sind, beeinträchtigt nicht ihren exegetischen Sinn. Als Grammatiker tritt Saadja in Kapitel VII auf, als Exeget in Kapitel VIII, als Dichter in Kapitel IX, als talmudischer Kommentator in Kapitel X, als Philosoph in Kapitel XI, endlich als wissen-׳ schaftlicher Gelehrter in Kapitel XII. Dennoch hat der Leser am Schluß keinen einheitlichen und zusammenfassenden Eindruck von diesem großen und unbezwinglichen Geiste bekommen, dessen vielseitige Tätigkeiten sämtlich die Offenbarungen einer einzigartigen Persönlichkeit bilden. Dieselbe Einteilung kommt in der Behandlung des Scherira, des Nissim von Kairowan, des Jehuda Halevi, des Abraham ibn Ezra und des Maimonides vor. Zum Beispiel wird Maimonides’ Kommentar zur Mischna in das Kapitel über die Talmudkommentare hineingeschoben, und nirgends ist die Rede von seinen zwei interessantesten Abteilungen, nämlich der Einleitung zu Sanhedrin X und zu Awot, vermutlich weil sie philosophischen Inhalts sind. In der Abteilung über Maimonides״ Philosophie werden sie aber mit Stillschweigen übergangen. Auch andere kleinere Unebenheiten und Schwierigkeiten sind aus der Methode des Vf. entstanden. Die apokryphische und pseudepigraphische Literatur, einschließlich solcher Werke des ersten Jahrhunderts wie der Psalmen Salomos, werden vor den Soferim und den Rabbinen behandelt; es werden also die Nebenwege der jüdischen Literatur bereist, bevor die Heerstraße auch nur betreten wird. Die zwei großen Kritiker des Alfasi, Zerachia Halevi und Abraham ben David aus Posquieres, werden noch vor dem Kodex Alfasis besprochen (Seiten 281•—83, 294). Es ist nicht die Aufgabe einer Literaturgeschichte, einen Abriß des Inhalts der behandelten Bücher zu bieten, wie es Vf. mit Ben Sira, der Weisheit Salomos, dem Buche Henoch und mit anderen Werken tut. Zu bedauern ist aber, daß von dem historischen Wert des ersten und zweiten Makkabäerbuches und dem literarischen Reize des Buches Tobit nicht die Rede ist. Auch versäumt Vf. klar zu machen, daß die Abweichungen der Halacha der Jubiläen von der Mischna vielleicht als Reste einer älteren gesetzlichen Schicht anzusehen und zu erklären sind.