Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension] / Heinemann, Isaak
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
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Besprechungen 233 Franz Geiger, Philon von Alexandreia als sozialer Denker, Stuttgart (W. Kohlhammer), 118 S-, M. 8,—. Die Absicht des Verfassers ist aus dem Titel nicht klar ersichtlich. Ihn beschäftigt vor allem die Frage,',,wie weit Philon den nationaljüdischen Gedankenkreis als stoischer Denker durchbrochen hat‘c (95), allgemeiner: wie weit sich in Phiions Lehre von unserer Beziehung zum Mitmenschen, aber auch zu Gott (93 ff.), das Griechische und das Jüdische auswirkt. Im ersten Kapitel bespricht er den stoischen Universalismus als Lehre von der Xo־pxrj au^sveia des Kosmos und . der Menschheit und vom Naturgesetz als Urquell der Ethik. Es folgt die Güter- und Gesellschaftslehre (mit besonderer Berücksichtigung von Familie, Staat, Sklaverei); hieran schließt sich die Lehre vom Weisen, zumal als Lösegeld für den Toren und als Erzieher; abschließend wird Phiions ,,bedingter Universalismus“ erwiesen, der nur in Moses das Bild des wahren Menschen, Herrschers und Gesetzgebers verkörpert sieht. Leider ist Phiions Stellung zur nichtjüdischen Welt sehr vergröbert wiedergegeben. Es ist nicht wahr, daß nach ihm ,,der Weg zur sittlichen Höhe durch das Judentum und Proselytenwerden führen muß“ (113); die Weisen von Hellas, das allein wahre Menschen hervorbringt (de prov. II109), gelten ihm zwar als Schüler des Moses, aber doch nicht als Proselyten, geschweige daß sie sich dem ,,formellen Zwang des jüdischen Gesetzes“ (Geiger 111) unterworfen hätten. Von einem ,,Bund es Verhältnis Israels mit Gott“ (Geiger ebd.) hat Philon, da die LXX ברית durch &tafb}y.7j .wiedergibt, keine Ahnung (Heinemann, Phiions Bildung 483). Auch die Einschränkung des Universalismus bei ,Philon hat mit der Sonderart des Judentums wenig zu tun. Bei den Griechen tritt, wie Geiger von seinem Lehrer Mewaldt (Die Antike II 187) hätte lernen können, der Kosmopolitismus noch stärker zurück; und auch die Römer haben ihr Volk genau so gut Oso׳f1Xio1aT0v genannt wie die Juden (Gernentz, Laudes Romae 81 ff.). Ein dvyjp 0{<J>tr/0c; ist Philon allerdings (darin stimme ich Geiger zu) deshalb, weil er an seinem Volkstum festhielt, ebensowenig zu nennen wie Aristoteles oder Vergil; es stünde schlimm um uns Menschen, wenn wir nur die Wahl zwischen Kosmopolitismus und nationalem Chauvinismus hätten. Heinemann. Rashes Commentary on Ezekiel 40—48 edited on the basis of eleven manuscripts by Abraham J. Levy, Ph. D. — Philadelphia 1931. Eine Doktorarbeit über Raschi ist in den letzten Jahrzehnten etwas Ungewöhnliches. Und dazu noch eine Textausgabe von ein Stück dessen Kommentar zu Ezechiel! Warten wir doch schon längst auf eine wissenschaftliche Ausgabe von Raschis Erklärung zu Propheten und Hagiographen. In einer gediegenen Einleitung zeigt der Herausgeber, wie Fehler in den Druckausgaben entstanden sind, und gibt eine Gruppierung, Bewertung und Beschreibung der Hss. Es folgen die letzten •acht Kapitel Raschi zu Ezechiel mit kritischem Apparat.