Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 615 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 615 er;wie'Ludwig Geiger1 und S. Maybaum2 standen Zunz zu nahe, um sein Ringen mi.t den geistigen Kräften seiner Zeit verstehen und darstellen zu können;. Zunzens Aufzeichnungen entnahmen sie nur biographische Daten, die. Hinweise auf die tieferen Kräfte, die Zunzens Wesen bestimmten, vermochten sie nicht auszuwerten. ,,Das Buch Zunz“, eine ausführliche Dis- Position zu Memoiren, wie Fritz Bamberger, der Herausgeber der schön gedruckten Probe, es nennt, harrt noch immer im Archiv der Zuüz-Stiftung der Veröffentlichung. Die Daten seines eigenen Lebens verband. Zunz hier in fast m3Tstiscl1er Art mit dem Wirken vergangener Persönlichkeiten und dem Geschehen seiner Zeit und stellte sich so hinein in den großen Gang der Geschichte. Dazwischen finden sich bittere Bemerkungen gegen die Nörgler, ,,Funken“ aus seiner unglaublich ausgedehnten'Lektüre und eigene Betrachtungen, die die eigentümlichen Wege Zunzschen Denkens, offenbaren. Zugleich aber, bietet das‘Buch Hinweise auf die geistigen Kräfte, die auf Zunz wirkten und mit denen er sich auseinanderzusetzen hatte. Sie erst ermöglichen es dem künftigen Biographen, Zunzens geistigem Werden nachzugehen. Mit Recht weist z. B. der Herausgeber darauf hin, daß Zunz die LI aup!Vertreter. der Historischen Schule in Berlin gehört hat, und es wird eine lockende Aufgabe sein, Zunzens Konzeption der ,,Wissenschaft des Judentums* S. 6‘ in. Verbindung hiermit darzustellen. Oder Zunz notiert von den Vertretern der klassischen Altertumswissenschaft an der Universität Berlin: ״Boeckh belehrt mich, allein F. A. Wolf zieht mich an.“ Bezeichnend für den ״Antiquar“, wie Hermann Cohen ihn nannte, daß der Verfasser der Schrift vom Staatshaushalt der Athener ihn nur belehrte, während der Mitbegründer des Neühumanismus ihn während seines ganzen Studiums fesselte.. , Besaß das Judentum eine ähnliche Bedeutung für Zunz wie das Griechentum für den Neuhumanisten, oder lieferte ihm die. klassische Altertumswissenschaft nur die Methode für die Wissenschaft des Judentums? Die vorliegende kurze Probe des ,,Buches Zunz“ vermag keine dieser Fragen zu beantworten. Aber der reiche Stoff zur Kulturgeschichte des deutschen Judentums im 19. Jahrhundert, den ihre wenigen Seiten enthalten, weckt den Wunsch, daß dieses document humain, das sich keinen Lebenseriüneruiigen eines anderen ,,Großen in Israel“ vergleichen läßt, bald vollständig gedruckt vorliege —^ als :ein selbstgesetzes Denkmal für den. Begründer der Wissenschaft des Judentums und •als Vorstufe -zu einer-Biographiej die dieses großen Juden würdig ist. Hans Lieh teilst ein. Jakob rKenaani: מלון,קונקורדכציוני ללשון הפיוטים (Wörterbuch , in. Form einer; Konkordanz für. die hebräische liturgische Dichtung des Mittelalters. Probeheft)., Jerusalem 1931. XIII und 46 Seiten. ..• 1.Zeitschrift für die Geschichte-der Juden in Deutschland V, 1891, S. '223—268. Liberales Judentum VII (1905), S. 107—113. MGWJ-LX (1916),' S.' 245—262, 321—347. . . 7'; 2- Wissenschaftliche Beigabe zum zwölften Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, Berlin 1894.