Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 4
- Article
- R. Michel Chasid und die Sabbatianer
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 371 (sequence 2)
- Language
- German
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R. Michel Chasid und die Sabbatianer 371 respondenz des Landschreibers Beweise für üble Nachreden zu finden, die Abraham Wolf über den Hofjuden Isaak Nathan und sein Verhältnis zum Markgrafen geführt hatte1. Die Papiere ergaben jedoch nichts Belastendes. Unter den beschlagnahmten Schriftstücken befanden sich aber einige, die dem Landschreiber kraft seines Amtes als Schrift- und Rechnungsführer der Judenschaft des Rabbinatsbezirkes Schwabach- Gunzenhausen- Ansbach zugekommen waren und die besonderen historischen Wert besitzen. Dazu gehören die beiden nachfolgenden Urkunden aus der Hand des R. Michel Chasid. Die kabbalistische Strömung und die Überzeugung von der Messianität des Sabbatai Ze bi hatten seit dessen Tod in weitem Umfang zugenommen und durch die mannigfachen sabbatianischen Sekten wie überall, so auch in der neubegründeten Berliner Gemeinde, sowohl unter den österreichischen Einwanderern als unter den deutschen Ansiedlern, zahlreiche Anhänger gefunden. Auch R. Michel befand sich anfangs unter diesen Schwärmern. Aus der Überschrift der nachfolgenden Urkunden erfährt man jetzt zum erstenmale, daß er speziell zur Gefolgschaft des R. Juda Chasid gehört hatte und daher wohl selbst im Volksmunde den Beinamen Chasid führte. R. Juda Chasid und seine Jünger unterschieden sich von den übrigen Sekten jener Bewegung wohltuend dadurch, daß sie strenge Moral, eifrige Buße und ein. asketisches Leben predigten und selber sich an ihre Lehren hielten2. Sie fanden darum, wie Jakob Emden in seiner Streitschrift gegen die sabbatianischen Sektierer hervorhebt, gerade unter den Rabbinen in Polen und Deutschland zahlreiche Anhänger3. Aber auch dieser Kreis nahm nach dem frühen Tode seines Führers im Heiligen Lande schnell ein unrühmliches Ende; ein Teil seiner Mitglieder fiel sogar schließlich ganz vom Judentum ab und trat 1 Ueber den Markgrafen und seinen Residenten, sowie über dessen furchtbares Geschick s. Haenle, Gesch. d. J. im ehern. Fürstent. Ansb., S. 89 ff. 2S. Graetz Bd. X (3. Aufl.), 312 ff. und Note IV; K ah a n a David, חולדות המקבלים השבתאים חזחסידים, Tel Aviv 1826—27, Bd. I, 119 ff.; Dubnow Bd. VII, 190 f., 350 ff. 3 תורת הקנאות, Amsterdam 1752, Bl. 26 b. 24*