Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur neueren Philosophie [Rezension]
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 179 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 179 eine Einleitung voran, in der nicht allein die chronologische Reihenfolge der Schriften Spinozas, sondern auch ihr sachliches Verhältnis zu einander geklärt wird. Nicht folgen können wir R. in der Anschauung, daß der Theologisch-politische Traktat keine Parteischrift sei, daß Spinoza hier nicht die Sache de Witts und der Republikaner, sondern seine eigne Sache v 0 r de Witt und dessen Parteigängern führe, um sie von der Unschädlichkeit seiner Philosophie zu überzeugen. (Einl. S. 25.) Sehr richtig ist hingegen das innere Drama Spinozas darin gesehen, daß er sein ganzes Leben hindurch nicht wagte, die Früchte seiner schöpferischen Tätigkeit der Welt zu übergeben. Er hatte nicht den Stoff eines Kämpfers in sich, trachtete keineswegs nach dem Martyrium. Nur der frühe Tod des Philosophen ebnete den Weg zur Veröffentlichung seiner Lehre. Das Verhältnis zu Descartes faßt R. zutreffend so auf, daß Spinoza zwar nicht seine pantheistische Konzeption, wohl aber die spezifische Gestalt des rationalistischen, mechanistischen, deterministischen Pantheismus aus dem Cartesianismus geschöpft habe. Ein typisches Beispiel solcher Abliängigkeit liegt in der Behandlung des Problems des Verhältnisses von Substanz und Attribut bei Descartes und Spinoza vor. Bei Descartes bereits stellen Ausdehnung und Denken eben das dar, was dem Phantom einer von ihren Akzidenzien entleerten. Substanz Fleisch und Blut verleiht, sind das Beharrliche in der Substanz,-der Träger der veränderlichen Akzidenziem (Einl. S. 25.), Und nur wenn wir diesen attributiven Charakter des cartesianischen Substanzbegriffs ins Auge fassen, werden uns die grundlegenden Lehrbegriffe seiner Metaphisik völlig zugänglich. Und ebenso ist es nicht möglich, in das metaphysische System Spinozas einzudringen., wenn man in seiner Substanz ein unerkennbares Substrat der Attribute erblicken will'; mit anderen Worten, wenn man nicht gewahr wird, daß unser Philosoph eben von dem cartesianischen d. h. dem attributiven Substanzbegriff ausgeht. Diese völlige Erkennbarkeit der Substanz, die Descartes lehrte, wird von Spinoza zur adäquaten Erkennbarkeit der Gottheit gesteigert. (Einl. S. 45.) Wir mi'ssen es uns versagen, den anregenden Ausführungen R.s im Einzelnen zu folgen, und können nur diesem Kommentar, der sich durch klare und gut lesbare Darstellung aus zeichnet, weiteste Verbreitung und Fortführung auch zu den übrigen Büchern der Ethik wünschen. August Messers Kommentar zu Kants ethischen und religionsphilosophisehen Hauptschriften. Verlag Felix Meiner. Leipzig 1929. Während das Hauptinteresse der systematischen Philosophie vorwiegend Kants Kritik der reinen Vernunft zugewandt ist, ist es verdienstlieb, daß Messer durch seinen Kommentar zu den ethischen und. religio nsphilosophischen Schriften Kants den Weg zum selbständigen Studium dieses weltanschaulichen Zentrums der Kantischen Philosophie auch philosöphisch weniger geschulten Lesern frei macht. Aber auch der, der nicht Kants Schriften selbst liest, erhält aus dem Kommentar einen klaren Überblick über die Kan tische Ethik und Religionsphilosophie. 12*