Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 76 (1932)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Aufklärung bei den Juden
- Date
- 1932-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 5)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Aufklärung bei den Juden 143 Rat zu. halten oder sich für ihre Gemeinden zu verwenden.. Hier suchen diese Provinzler Hilfe und Unterstützung bei angesehenen Mitgliedern der Warschauer Gemeinde, die infolge ihrer Be- Ziehungen zu den polnischen Machthabern an Einfluß gewinnen und eine dominierende Rolle bei den Juden selbst zu spielen beginnen. Aus einigen spärlichen Nachrichten scheint hervorzugehen, daß diese schon zu jener Zeit mit den preußischen Juden in Gemeindeangelegenheiten in Verbindung standen1. Soll man den Berichten des russischen Gesandten in;Warschau glauben, so waren unter den Abgesandten der polnischen Gemeinden, die nach Warschau kamen und sich mit dem Privatsekretär des Königs, Piottoli2, berieten, auch Ausländer, deutschgekleidete Juden, die viel Geld mitgebracht hatten3. Zur Zeit der preußischen Herrschaft werden diese gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Polen und Berlin weit enger. Die scharfe Reglementierung des jüdischen Lebens durch das Judenreglement vom Jahre 17974 und andere Verordnungen machten Verwendungen bei der Zentralregierung in Berlin notwendig, um die scharfen Maßnahmen zu mildem. Bei diesen Vorstellungen und Petitionen in Berhn waren die polnischen bezw. Warschauer Juden auf die Unter- Stützung der dortigen Juden angewiesen; Diese saßen an Ort ,und Stelle und die. Erledigung solcher Angelegenheiten fiel ihnen leichter, teils durch persönliche Beziehungen , innerhalb der höheren, Beamtenschaft, teils wegen ihrer,;besseren Kenntnis der Sprache und der Gesetze des Landes. Die Berliner Juden unterstützten so tatsächlich die polnischen und reichten in deren Angelegenheiten Denkschriften ein oder suchten sich persönlich für diese zu verwenden5. Diese Vorstellungen konnten schon deshalb von Bedeutung sein, weil die Behörden selbst die Berliner Juden gleichsam als die Protektoren der polnischen Juden ansähen. So wandte sich Minister Voß an Friedländer mit der Bitte, ihm 1 Die Verwendung Mendelssohns für die polnischen Juden (L. Geiger: Geschichte! der Juden in Berlin, 1874, I, 82; II, 131) gehört nicht in unseren Zusammenhang. 2 Über Piattoli vgl. Alessandro d* Ancona: Seipione Piattoli5 et la Pologne, Florenz 1915. - 3 Frenk: Haironim we’ ha-Jehudim. be? polin, Warschau 1921, S. 110. 4 Mylius: Novum Corpus Constitutionum Pruss.-Brandenb. X, 1031 ff. 5 Lewin in MGWJ. 1915, S. 191 f.