Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 472 (sequence 2)
- Language
- German
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472 Betrachtungen über die eben durch die Gestaltung der Grabsteine und ihre Unterbringung erzielte Geschlossenheit und Stimmung der alten jüdischen Friedhöfe. Hier reiht sich Cohns Schrift würdig den in letzter Zeit häufiger unternommenen Versuchen an, durch Wort und Schrift die Gestaltung jüdischer Friedhöfe vom Protzentum des modernen Kirchhofs zur Einfachheit des alten Bethchajim zurückzuführen, und die Kette der Entwicklung wieder da an zuknüpfen, wo sie mißverstandener Zeitgeist vor Jahrzehnten abgerissen hat. Acht güte Lichtbilder und eine Zeichnung (davon sieben vom Krotoschiner Friedhof) veranschaulichen die Darstellung. Prag. __ S. H. Lieben. Hermann Nordens Durch Abessinien und Erythräa, aus dem Amerikanischen übersetzt von K. Soll,’Verlag A. Scherl G. m. b. H., Berlin 1930. In sehr fesselnder Weise gibt der deutsch-amerikanische Schriftsteller H. Norden die Eindrücke seiner Reise wieder, die er im Jahre 1929 durch Abessinien und Erythräa gemacht hat. Wir gewinnen einen klaren Einblick in die kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse des heutigen Abessinien. Manches Volkskundliche ist ihm hierbei nicht entgangen. So pflegt der Abessinier nicht vor Zuschauern zu essen, um nicht dem bösen Blick ausgesetzt zu sein (S. 47). An dem Geschirr der Maultiere hängen trichterförmige Amulette herab, die die Wirkung des ,,bösen Blicks“ abwenden (S. 138). Der Bräutigam hat dem Vater der Braut einen Kaufpreis zu zahlen (S. 75). Gleich bei der Geburt eines Kindes wird geschossen. Wenn der Schatten eines ominösen Vogels auf einen Menschen fällt, wird er krank (S. 51). Bei den abessinischen Christen und den Falaschas ist die Totenklage üblich, und scheren die nächsten Angehörigen bei einem Todesfall ihr Haupt, reißen sich Stirn und Schläfe blutig und streuen Staub auf den Kopf (S. 50, 169). Aus H. A. Stern, Wanderings among the Falashas, London 1862, 163 f. können wir ferner entnehmen, daß sie sich auch ihre Kleider zerreißen, und die nächsten Hinterbliebenen sieben Tage lang im Trauerhause trauern, während welcher Zeit man in diesem Hause weder ein Feuer anzünden, noch Speisen zurichten darf, sondern Nachbarn und sonstige außerhalb des Trauerhauses wohnende Freunde die Trauernden mit der notwendigen Nahrung versehen. Was uns Juden am meisten an Nordens Buch interesiert, ist das Kapitel: ״Bei den schwarzen Juden (S. 156—171). Das Material über die Falaschas, das nichts Neues bringt, hat er hauptsächlich von dem bekannten Falaschaforscher Faitlowitsch und dem christlichen Missionar Baur, mit denen er dort in näheren Verkehr getreten ist, erhalten. Hierzu möchte ich einige Ergänzungen bringen: Die Rasse, die vor der Einwanderung der semitischen Aethiopier, der heutigen Herrscher Abessiniens, das ganze äthiopische Hochland besiedelte, war der kus chitis che Zweig* dessen Nachkommen nicht nur die heutigen Kaffitscho, die auf dem Hochlande von Kaffa, der Urheimat des Kaffeebaumes wohnen, sondern auch die Agau sind. Dieser Volksstamm hat langköpfige Kopfform, gekräuseltes Haar und ist von dunkelbrauner, zimmtfarbiger Hautfarbe. Den Israeliten der biblischen Zeit war der Kuschite der Typus eines Negers. Zu den Agau gehören nach F. Rosen und Reinisch die Falaschas, was nicht nur ihre körperliche Erscheinung, sondern auch ihre Sprache beweisen. Von den etwa im 7. Jhrh. v. Chr. aus Südarabien einwandernden semitischen Habeschi, von denen die heutigen Habeschi abstammen, wurden die Kuschiten zum großen Teil allmählich nach der südlichen Gruppe der äthiopischen Hochlande, hauptsächlich nach dem Hochlande von Habesch.und Kaffa verdrängt. Dem großen Perserreich der Achämeniden war Kusch tributpflichtig. Noch im 1. Jhdt. n. Chr. gab es ein von den Ägau beherrschtes Königreich Kusch, das damals zu Rom in ein Schutz- Verhältnis getreten war. Aber dieses Reich zerfiel, nachdem es im Jahre 23 den Krieg mit Rom begonnen hatte und den römischen Heeren unterlegen war. Seit jener Zeit nahm die Macht der semitischen Habeschi in Kusch zu, und trat dann das Reich der Habeschi von Aksum an die Stelle von Kusch. Im 10. Jhdt. hatten aber die Kuschiten über sie gesiegt. Mit der darauf folgenden Errichtung des Königtums der Falaschas und der Herrschaft der Zague über die Habeschi war den Agau bis ans Ende des 13. Jhdts. die Vorherrschaft im Hochlande von Habesch gesichert. Die frühesten historischen Nachrichten über die Falaschas stammen aus der Mitte des 10. Jhdts. Von