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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 6 · p. Seite 471

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 471 (sequence 2)
Language
German
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471 setzt sie für das Jahr 6 n., Lukas aber für das Jahr 4 n. an. Fragen, zu denen bereits Schürer, Eduard Meyer (Ursprung und Anfänge des Christentums) u. a. Stellung genommen haben, sollen also hier nochmals behandelt werden. Zu dieserm Zweck beschäftigt sich der Verfasser sehr eingehend mit der Arbeitsweise und den Quellen des Jösephus, hauptsächlich für die Zeit von 37 vor bis 4 nach. Sprachliche Argumente und sachliche Bemerkungen sollen zu einer neuen Quelle führen, die dem Jösephus bei Abfassung des bellum noch nicht Vorlagen. Hier wird die alte Anonymus-Hypothese neu zu begründen versucht, mit wenig Wahrscheinlichkeit. Nach einer Betrachtung der wichtigsten Daten aus Herodes’ letzten Lebensjahren behandelt der Verfasser ausführlich die Nachrichten über Quirinius und seine Tätigkeit in Syrien. Auch hier nimmt die Vergleichung mit dem Bericht im bellum einen großen Raum ein. Schließlich geht der Verfasser zur Festlegung der Schätzung des Quirinius über, zu dem wertvollsten Teile seiner Arbeit. Er untersucht die Angaben bei Jösephus und die bei anderen Autoren. Er bekämpft das Resultat von Ramsay, zumal die Gensus-Verordnung des Augustus für Aegypten nicht unbedingt auch auf Syrien Anwendung finden mußte. Quirinius muß schon zu Lebzeiten des Herodes nach Syrien gekommen sein. Herodes läßt bei seiner Ankunft den goldenen Adler über dem Tempeltor anbringen, um sich noch als Vasall Roms deutlich zu bekunden. Das geschah etwa im Jahre 5 vor, nachdem Herodes schon 7 vor den Treueid für den Kaiser gefordert hatte. Wie durch Papyri bestätigt wird, ist zwischen dieo־fpacpcci den schriftlichen Deklarationen und «3£1>ן1.7ן1:ד0סד<; der eigentlichen Abschätzung (Jösephus Ant 1834־) zu unterscheiden; zwischen ihnen liegt eine mehrjährige Frist. Daraus ist zu folgern, daß Quirinius in oder vor dem Jahre 7 vor in Syrien eintraf und der wirkliche Gensus etwa 4 vor stattfand. Ueber das Eintreffen des Quirinius berichtet zwar J. nichts, aber er ist in Ant 181as angedeutet, wo der Verfasser die Worte Komimou ןסנןגסעץ halten will (gegen Niese). Goponius ist Berichterstatter des Kaisers in dem Antipaterprozeß. Von den Quellen außerhalb von Jösephus beruft sich Lodder vornehmlich auf Tertullian, der die Archive in Rom nachgesehen haben soll. Nach guter Zusammenfassung seiner Ergebnisse und der historisch-chronologischen Zusammenfassung der Ereignisse, legt der Verfasser seine Vermutung über das nieder, was J. in seiner Quelle über Quirinius gefunden haben mag. Ich schließe mich dem Urteil des Verfassers in der Quellenfrage nicht an, stimme aber mit ihm, was den. Gensus angeht, überein und denke, daß diese Frage hier endgültig gelöst ist. Kiel. A. Posner. Der jüdische Friedhof. Beine geschichtliche und kulturgeschichtliche Ent- Wicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der ästhetischen Gestaltung. Von Gustav Cohn, Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig. 1930, Franzmathes Verlag, Frankfurt a. M. Das Büchlein will eine Einführung zu einem größeren Werke, das sich mit alten und neuen Friedhöfen in westdeutschen Gemeinden befassen soll, sein, zugleich auch ein Führer für Laien, die solche Friedhöfe besuchen. Ich glaube, es erfüllt seinen Zweck vollkommen, indem es ohne allzu schwere, gelehrte Belastung die Entstehung unserer Friedhöfe aus den Einzelgräbern und Familiengrüften der ältesten israelitischen Zeit entwickelt unter Bedachtnähme auf die Bestattung bei den Nachbarvölkern. Es entwickelt auch die für unsere Zeit, geltenden Fundamentalsätze des jüdischen BeerdigungsWesens aus ältester Zeit, so, daß es stets jüdischer Anschauung zuwiderlief, den Toten Schmuck und Schätze mitzugeben, daß man stets größten Wert darauf legte, Leichen und Gebeine vor Leichenschändern zu schützen (darum die Höhlen und Felsengräber, später die Katakomben), daß bei den Israeliten ausschließlich die Erdbestattung gebräuchlich war. Sehr schön wird die Entstehung der Sitte des Sammelns der Gebeine nach der Verwesung zur endgültigen Beisetzung erklärt aus der Sehnsucht der im Exil Verstorbenen, die letzte endgültige Ruhe im heiligen Boden der Muttererde Palästinas zu finden. Außerordentlich lehrreich sind die auf eingehender Quellenforschung beruhenden Ausführungen Cohns über Grabsteine und Denkmäler, wobei die ältesten deutschen Friedhöfe in Worms und Mainz, die Funde in der Krim und die jüdischen Katakomben eingehend gewürdigt werden, eindringlich die

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