Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Nachwort [Nachricht] / Schütz, Roland
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 464 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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464 maßnahmen und religiöser Pietät gegen die zu erforschenden Gräber und Gebeinkästen. ״Die Archäologen sind nämlich vielfach als Grabschänder gebrandmarkt worden. Sehr oft jedoch kann der Archäologe seine Forschungsarbeit nicht fortsetzen, ohne dabei alte Gräber zu zerstören. ... Wir haben deshalb einen Modus ausgearbeitet, der auch den Beifall des Direktors des Department of Antiquities gefunden hat, nämlich, daß wir die Gräber öffnen, alle nötigen Maße nehmen, Inschriften photographieren, Pläne zeichnen, dann eine Notiz im Grabe lassen, daß dieses Grab zu der und der Zeit erforscht wurde. Schließlich wollen wir dann wieder alles an seinen alten Platz bringen und das Grab schließen. Nur in ganz seltenen Fällen wird es vielleicht nötig sein, die Ossuarien aus den Gräbern zu entfernen." Aus diesem Grunde möchte ich die Anregung geben, daß dieses Ossuar auch besonders pietätvoll behandelt werden möge. Es ist im Sommer d. J. 1926 durch den Inspector of Antiquities, Herrn Dr. L. A. Mayer, von dem Grundstück des Mr. Sarkis Behesm i 1 i a n aus einem dort befindlichen Grabe in das Palestine Museum hinübergenommen worden, wo es nunmehr fünf Jahre neben seinesgleichen aufgereiht steht. Man sollte m. E. gegen dieses einzigartige Stück so pietätvoll sein, daß man ihm an seiner Heimstätte oder, wenn dies nicht möglich ist, in der griechischen Kolonie einen Ehrenplatz an weist. Dieses Ossuar erinnert mich lebhaft an ein Grab, das ich in Deutschland gesehen habe, mit einem Grabstein, der die Inschrift trägt: ,,Dieses Grab darf nicht geöffnet werden". Aber eine gefühllose Naturerscheinung hat das Gebot dadurch außer Kraft gesetzt, daß ein Baum neben dem Grabe sich derart stark entfaltet hat, daß seine Wurzeln den Stein langsam gehoben und damit das Grab dennoch geöffnet haben. 2. Wenn jetzt ein tönernes Ossuar gefunden ist, dann bestätigt dieser Fund die historische Zuverlässigkeit der talmudischen Ueberlieferung, was für die Forschung nur zu begrüßen ist. In Vorträgen über die Ossuarien habe ich öfters die Vermutung ausgesprochen, daß Gebeinkästen aus Ton und Zedernholz dem Boden des Heiligen Landes wohl noch würden abgewonnen werden. Ob denn die Holzkästen sämtlich zerfallen sind? 3. Die Einwände gegen die Annahme, daß es sich bei der Nazareth-Steinplatte um einen Ossuardeckel handelt, haben rach noch nicht überzeugen können. Weder die Form des Steins noch der Charakter der Schrift scheint mir durchschlagender Gegengrund zu sein. Wenn die nicht ungebräuchliche Segensformel sonst auf Ossuarien fehlt, so könnte es sich hier um eine Ausnahme handeln oder sogar zu vermuten sein, daß aus der Nekropole Jerusalems noch ein oder das andere Ossuar mit dem Graf fit נוח נפ#ז auf taucht. Ich warte also vorläufig auf neue Ausgrabungen, ehe ich von der Annahme abgehe, die ich mit G. Dalman und S. Klein teile, daß Nazareth einen Ossuardeckel aufbewahrt.