Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Nochmals "Die Ossuarien in Palästina" [Nachricht]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 463 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829975-2829982-2837214--50860-2837317- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
463 entdeckte. In ihr ist von dei Ueberfübrung der Gebeine des Königs Usias von Juda die Rede; zum Schluß wird hinzugefügt, daß das Grab nicht geöffnet werden dürfe1. Vor ganz kurzer Zeit habe ich diese Formel auf dem Verschlußsteine einer jüdischen Grabhöhle in Jerusalem in der Sammlung des Benediktiner-Klosters Dormitio auf dem Berge Sion gefunden. Ich glaube, daß nun kein Zweifel mehr über die Lesung und Deutung dieser Inschrift bestehen kann. 2. Was das Auftreten von Tonossuarien anbelangt* so möchte ich hier doch bemerken, daß ein Tonossuar wirklich in einer Grabhöhle, nordwestlich Jerusalems im Jahre 1929, gefunden wurde2 3. 3. Ohne Zweifel lautet der Schluß der Nazareth-Inschrift נוח נפש, eine der üblichen Segensformeln auf jüdischen Grabsteinen. Meine letzte Nachprüfung des beschriebenen Steines hat aber ergeben, daß die Bezeichnung der Inschrift als Ossuarinschrift irrtümlich ist. Der Stein, auf dem die Inschrift eingraviert ist, ist eine Marmorplatte, die, oben segmentförmig abgerundet, 0,82 m Länge, 0,30 m Breite und 0,085 m Dicke mißt. Schon seine Form, wie auch der Marmorstein, der niemals als Ossuar-Material auftritt, zeigen, daß wir es hier gar nicht mit einem Ossuar zu tun haben. Auch der Charakter der Schrift stimmt mit dem der Ossuarinschriften nicht voll überein. Wichtiger zur Bestimmung des Wesens dieser Inschrift ist die Segensformel נוח נפש, mit welcher die Inschrift abschließt und welche niemals sonst auf Ossuarien vorkommt, wie auch die Segensformeln auf alten jüdischen Grabsteinen שלום (kein Name, sondern ,,Friede") שלום על ישראל oder זכרונו לברכה u. dg], auf Ossuarien niemals Vorkommen. Nachwort Von Prof. D. Dr. Schütz in Kiel. Für die Aufklärungen, die Herr Kollege Sukenik mit seinen vorstehenden Bemerkungen zu meinem Aufsatz über die Ossuarien in Palästina gegeben hat, bin ich besonders deshalb dankbar, weil sie drei Punkte betreffen, die mir für meine Studien sehr wertvoll sind. Ich erlaube mir, folgendes dazu zu äußern. 1. Der Lesung der Dositheus-Aufschrift in Abbild. 4b stimme ich zu. Freilich bedeutet dieses Ossuar alsdann eine eigenartige Ausnahme unter mehreren Hunderten. Die Stifter forderten von der Nachwelt, daß der immerhin lose aufgelegte Deckel nicht gelüftet werden dürfe! Wenn die Kinder des Dositheus eine solche Bitte faktisch geäußert und so dokumentarisch wie in dieser förmlichen Aufschrift festgelegt haben, dann hat sie auch für uns noch Geltung zu behalten. — Hier meldet sich jenes ernste Problem an, von dem Herr Sukenik selbst in seinem am 6. Januar in der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin gehaltenen Vortrage über ,,Jüdische Gräber Jerusalems um Christi Geburt" eindrucksvoll gesprochen hat: das Mißverhältnis betreffend zwischen archäologischen Forschungs- 1 Siehe Tarbiz II 2; Quarterly Statement 1931, S. 21ל ff. ״Funerary Tahlet of Uzziah, King of Judah“. 3 Siehe meinen Bericht über diese Grabhöhle im Tarbiz I 3.