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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1931-01-01 · Heft 5 · p. Seite 395

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
75 (1931)
Issue
Heft 5
Article
Die Berufe der preußischen Juden bis zum Jahre 1853 [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 395 (sequence 2)
Language
German
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395 Dieses vorausgeschickt, wird es nicht Wunder nehmen, daß sich die Berufschichtungen der jüdischen Preußen ganz verschiedenartig zu denen der Gesamtbevölkerung entwickelt haben. Eine Bestätigung unserer Auffassung erhalten wir durch das neue Buch von Professor Silber gleit, das im Akademie-Verlage Berlin Ende des ־vergangenen Jahres erschienen ist und in dem es dem bekannten Statistiker gelang, dank seinem unermüdlichen statistischen Spürsinn und dank dem Entgegenkommen des staatlichen statistischen Amtes eine umfassende Sammlung von statistischen Tabellen über die Bevölkerungsentwicklung der Juden in Preußen und ihre Berufsschicbtung vorzulegen. Seinem Tabellenwerk hat Silbergleit eine sehr eingehende und wissenschaftliche Einleitung vorausgeschickt. Aus der Fülle der Tatsachen, die Silbergleit bringt, wählen wir den Abschnitt über die Berufsverhältnisse der preußischen Juden heraus, der gerade in unserer Zeit von aktuellem Interesse ist. Aufzeichnungen über die Berufsverhältnisse der Juden mag es schon in der Zeit der beiden ersten Könige im Anfänge des 18. Jahrhunderts gegeben haben, aber ihre Veröffentlichung scheint nicht erfolgt zu sein. Für das Jahr 1813 gibt der rühmlichst bekannte und durch die Objektivität seiner Gesinnung ausgezeichnete einstige Direktor des Königlichen Preußischen Statistischen Büros, der Wirkliche Geheime Oberregierungsrat Dr. J. G. Hoffmann absolute Zahlen an über die Berufsteilung der preußischen Juden, die aber nur zur Beurteilung des Verhältnisses der von ihm unterschiedenen 4 Gruppen verwertbar sind. Nach Maßgabe dieser Zahlen lebten von je 1000 Juden mit Staatsbürgerrecht: 1. von wissenschaftlichen und künstlerischen Arbeiten . 31 2. von Handel und Gastwirtschaft . 918 3. von Handwerken . . . ... 46 4. vom Ackerbau . 5 zusammen 1000 Diese Verteilung mit dem weitaus überwiegenden Promillesatz für den Handel und die Gastwirtschaft ist aber anzuzweifeln, weil in ihrer Gruppierung der .Gesindedienst, die Berufslosen und die gewöhnliche Tagelohnarbeit dabei völlig unberücksichtigt sind. Von demselben Statistiker stammt auch eine Erhebung von 1834 her, in der die besonders gearteten Verhältnisse der Provinz Posen hervorgehoben werden, weil auf sie wie die andern wiedergewonnen und neu erworbenen Gebiete das schon erwähnte Edikt von 1812 nicht Anwendung fand. Im Jahre 1816 wurden in der Provinz Posen 998,8 Juden ohne Staatsbürgerrecht auf 1000 der jüdischen Bevölkerung gezählt, dagegen betrug der Millesatz der Juden mit Staatsbürgerrecht 1,2, unter 51 959 Juden befanden sich absolut nur 8 Staatsbürger, dagegen 51 951 ohne Staatsbürgerrecht, recht bezeichnende Zahlen für die politische Lage der Pose.ner Juden. Doch kommen wir auf die Ergebnisse des Jahres 1834 zurück. In den alten Landesteilen Preußens befanden sich nach der Erhebung Hoffmanns 13131 jüdische Familien, in Posen allein 16 240. Die Verteilung auf Tausend lassen folgende Sätze erkennen Unter tausend Judenfamilien in den alten in der nährten sich Landes teilen Prov. Posen 1. in ,,liberalen“ Berufen als Arzt, Lehrer oder durch sonstige wissenschaftliche Beschäftigungen. 129 46 2. vomEinzelhandel, Kommissionsgeschäften und Gastwirtschaft .. . 493 348 3. als Hausierer. 106 79 4. als Handwerker . .. 100 237 5. als Landbauer . 4 4 6. als Arbeiter und Gesinde ...... 103 73 7. sonstige (teilweise ohne Erwerb) . . . 65 213 zusammen 1000 1000 Besonders bemerkenswert ist hier die starke Vertretung des Handwerks in der Provinz Posen. Beinahe ein Viertel aller jüdischen Familienväter der Provinz Posen leben vom Handwerk, während in den alten Landesteilen

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