Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 2)
- Language
- German
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237 Kassel im 17. und 18. Jahrhundert vor übergleiten. Er schildert uns den Stammvater seiner Familie, Israel Ahron Hammerschlag, der auf dem Friedhof in Venedig im Jahre 1615 beerdigt worden ist. Er schildert uns weiter Israel Ahron GeizvogeJ, der 1653 in der angesehenen Gemeinde Glogau nachweisbar und vermutlich als Enkel des vorgenannten Israel Ahron Hammerschlag anzusprechen ist. Israel Ahron Geizvogel steht im Dienste des Großen Kurfürsten in Königsberg i. Pr. Aber er wird auch 1657 des Kurfürsten erklärter Hofjude. Sein Leben ist reich an Erfolgen, durchAufstieg und fürstliche Vertrauensbezeugungen; er heißt in der Grabschrift seiner Schwiegertochter von 1722 der Begründer der Gemeinde Berlin. Dieser Mann ist aber auch hart und rücksichtslos ausgenutzt worden und war darum hart und rücksichtslos gegen andere. Aus der Fülle seiner Macht wird er durch einen unerwarteten Tod herausgerissen (i. J. 1673). Seine Gattin Esther Schulhoff, die in zweiter Ehe den berühmten Hoffaktor Friedrich I. Jost Liebmann heiratete, hat am Hofe des preußischen Königs und in der jüdischen Gemeinde Berlin eine überragende Rolle gespielt. In Salomo Israel, dem Sohne des Israel Ahron und der Esther Schulhoff, vollzieht sich der Uebergang der Geschichte der Familie nach Halle. Salomo Israel ist seit 1688 daselbst ansässig. Er wird Mitgründer der nachmaligen Gemeinde Halle, seit 1702 ihr Aeltester und Vertreter. David Salomo, der Sohn des Salomo Israel, heiratete 1732 eine Tochter des mächtigen hessen-kasselschen Hoffaktors und Judenvorstehers Abraham David in Kassel. Die Gestalt Abraham Davids, eines Bruders des Michael David in Hannover und des Alexander David in Braunschweig, wird lebendig gezeichnet. Und nun verfolgt der Verfasser die Geschichte seiner Familie in Kassel, •die seit 1755 daselbst unter dem Namen Hallo bekannt ist. Er zeigt uns aber nicht nur den Aufstieg dieser Familie von Hoffaktoren und Großhändlern, sondern auch ihren Abstieg, um dann den Wiederaufstieg des Geschlechtes zu schildern. Mit Simon Hallo, dem Lackierer, beginnt die neue Geschichte der Familie, die in Handwerk und Kunst mehrere Generationen bis zur Gegenwart Hervorragendes geleistet und deren Bedeutung allgemein anerkannt worden ist. Besonders liebevoll wird die Persönlichkeit des Louis Hallo geschildert. Der Verfasser ist sich bewußt gewesen, auf welch unsicherem Boden mitunter die Familiengeschichte ruht. Man muß ihm Vorsicht und Kritik in seiner mühseligen Forschung nachrühmen. Wertvoll ist das Buch auch durch manche urkundliche Beilage, die neues Licht auf die Geschichte der vorgenannten Gemeinden wirft. In dem Bemühen, seine Familiengeschichte aufzuhellen, hat der Verfasser manchmal vielleicht zuviel des Guten getan. Von der Ueber- Setzung der Grabschriften, die in ihrem Stil sich einfach nicht übersetzen lassen, hätte er ruhig absehen können. Alles in allem hat er uns ein liebenswürdiges, gut geschriebenes Buch beschert, das in der Liebe zur ,Familie seinen Ausgangspunkt hat, aber in seiner gediegenen wissenschaftlichen Art an die besten Arbeiten auf dem Gebiete der Familiengeschichte erinnert, an die Werke von David Kaufmann über Samson Wertheimer und die Familie Gomperz. Köln. Dr. Kober. Bficherschau Carl Clemem, Religionsgeschiehte Europas, 2. Band, Die noch bestehenden Religionen, Heidelberg 1931, Carl Winters Universitätsbuchhandlung, 335 S. Das Buch widmet dem Judentum, dem Christentum, dem Islam und dem Lamaismus je einen Hauptteil. Die Darstellung des Judentums ist Vorurteilsfrei gehalten, aber nur mittelbar aus Darstellungen sehr verschiedenen Wertes geschöpft; so wird für den Hauptteil Kohuts Geschichte der deutschen Juden als wichtigste Quelle angegeben; daneben ist aber glücklicherweise Graetz, Dubnow, Marx-Margolis (nicht, wie Verfasser mehrmals schreibt, Mark- Margolis) und manche Monographien benutzt. Daß S. 56 Mose de Leon als mutmaßlicher Verfasser des Sohar gilt und S. 96 die Stellung von Männern wie Max Brod, Rosen zweig und Baeck zum Christentum einseitig gezeichnet ist, mag man nicht schwer nehmen; schade ist nur, daß der Verfasser seinen Stoff nicht tief genug aufgefaßt hat, um das Judentum innerlich in die allgemeine Religionsgeschichte einzuordnen, wie es gerade ihm möglich gewesen wäre.