Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Geschäftsbericht [der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums] über das jahr 1930
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 2)
- Language
- German
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157 und uns gerade in der schwierigen Zeit der Inflation durch seinen Rat manchen Dienst geleistet hat. Wir werden den treuen Mitarbeitern stets ein dankbares Andenken bewahren. Von frohen Ereignissen sind der 70. Geburtstag der Herren Professor Simon D u b n 0 w in Berlin und Rabbiner Dr. Seligmann in Frankfurt a. M. zu erwähnen; den beiden Herren, die sich jeder auf seinem Gebiet um die geistige Förderung des Judentums außerordentlich verdient gemacht haben, haben wir die herzlichsten Glückwünsche der Gesellschaft ausgesprochen. Von der Organisation des Internationalen Kongresses für historische Geographie, der in der Zeit vom 11.—14. August v. J. in Brüssel, Lüttich und Antwerpen getagt hat, haben wir eine Einladung zum Kongreß erhalten und unsere Beteiligung hieran zugesagt. Bei der Neuorganisation der Freien Jüdischen Volkshochschule ist die Gesellschaft gebeten worden, Vertreter in das Kuratorium zu entsenden. Als Vertreter hat sie Herrn Professor Weil, als seinen Stellvertreter Herrn Alfred Jaulus entsandt. Von der Weltwirtschaftskrise ist unsere Gesellschaft ebenfalls nicht unberührt geblieben. Schon in den letzten Jahren konnten wir darauf hinweisen, daß die schwierige Lage eine starke Bewegung im Mitgliederbestand herbeiführte. Im letzten Jahre ist ein Abgang von 113 Mitgliedern zu verzeichnen. Dem steht dank der eifrigen Werbearbeit unserer Vertrauensleute und unseres Büros ein Zugang von 130 Mitgliedern gegenüber, so daß wir am 31. Dezember 1930 einen Bestand von 1649 Mitgliedern hatten. Von den Mitgliedern nahmen 235 Mitglieder die Ermäßigung des Beitrages auf Mk. 6.— in Anspruch, und 52 Mitglieder zahlten nur den Unkostenbeitrag von Mk. 2.—. Die Erfahrung hat gelehrt, daß wir mit diesem Betrag die Selbstkosten nicht decken. Wir haben uns daher genötigt gesehen, den Beitrag auf Mk. 3.— heraufzusetzen und stellen bei der Hauptversammlung den Antrag, diesen Betrag zu genehmigen. Die Schwierigkeit der Lage kam auch darin zum Ausdruck, daß der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden infolge seiner angespannten Kassen Verhältnisse die uns bewilligte Subvention bisher noch nicht voll zur Auszahlung bringen konnte, und der Bayerische Landesverband sich genötigt sah, seinen Beitrag von Mk. 1500,— auf Mk. 1000.— herabzusetzen. Wir geben uns der zuversichtlichen Erwartung hin, daß die Verbände, wenn die Verhältnisse sich bessern, uns wieder ihre volle Unterstützung zuwenden werden. Im übrigen haben wir an größeren Beiträgen wie im vorigen Jahre von der Jüdischen Gemeinde Berlin Mk. 1000.—, vom Badischen Oberrat der Israeliten Mk. 500.— und von Herrn Ludwig Vogelstein in New York 100.—:Dollar erhalten. Nachdem das Bankhaus Gebrüder Veit & Go., Berlin W. 56, Hinter der Katholischen Kirche 1, das fast seit Begründung der Gesellschaft deren Vermögen betreut hat, in Liquidation getreten ist, hat die Gesellschaft ihr Konto bei der Commerz- und Privatbank, Depositenkasse 5, Charlottenburg 2, Savignyplatz 9/10, eröffnet. Der einschneidendste und folgenschwerste Vorgang auf wirtschaftlichem Gebiete war für die Gesellschaft die am 1. Juli 1930 eingetretene Aenderung ihres bisherigen Vertrags mit dem Verlag J. Kauffmann in Frankfurt a. M. Während nach den bis dahin geltenden Abmachungen der Verlag für die Herstellung der Veröffentlichungen der Gesellschaft Beträge bis zur Höhe von Mk. 6000.— jährlich vorzustrecken verpflichtet war und die Gesellschaft diese erst nach Ablauf von 2 Jahren, d. h., nachdem durch den Verkauf ein Teil der Kosten gedeckt war, abzutragen hatte, erklärte uns der Verlag, auf dieser Grundlage den Vertrag keineswegs verlängern zu können. Wir mußten, nachdem uns von Sachverständigen erklärt war, daß die heutige wirtschaftliche Lage eine solche Haltung rechtfertige, notgedrungen uns dazu verstehen, am 1. Juli 1930 den Vertrag dahin zu ändern, daß zunächst einmal unsere Schuldsumme zu diesem Termin festgestellt und in Zukunft zu dem jeweils üblichen Debetsatz der D.-Banken verzinst würde. Dieselbe Bestimmung gilt auch für alle Summen, mit denen die Firma Kauffmann während der Dauer des Verträges in Zukunft in Vorlage tritt. Die Schuldsumme ist am 30. Juni 1930 mit Mk. 9514.53 festgesetzt worden. Es ist dem Vorstand gelungen, diesen Betrag flüssig zu machen und der Firma Kauffmann züzuführen, so daß eine Zinszahlung erspart werden konnte. Wir glauben, damit der Gesellschaft