Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 75 (1931)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zum jüdischen Volksschulwesen in Deutschland
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 2)
- Language
- German
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145 derselben Höhe gehalten; 1921/22 wurden gezählt 52 763 öffentliehe Volksschulen, die bei der schulstatistischen Erhebung von 1926/1927 sich auf 52 825 vermehrt haben. Die jüdischen Volksschulen sind aber während dieses Zeitraumes von 207 auf 124 gesunken. Besonders in den Provinzen Hannover, Westfalen, Hessen- Nassau und den süddeutschen Freistaaten Bayern und Württemberg sind die Rückgänge katastrophal. Mögen auch in einigen Großgemeinden seit 1926/27 neue Volksschulen ins Leben gerufen sein, im großen und ganzen wird sich der Niedergang der jüdischen Volksschulen seitdem noch weiter fortgesetzt haben, da der Zug nach der Großstadt, der den Juden eigentümlich ist, kaum abgenommen hat. Infolge des Weltkrieges, der verminderten Geburtenzahl in den Nachkriegsjahren und des Zudranges zu den höheren Schulen ist in Deutschland ganz allgemein die Zahl der Volksschüler zurückgegangen. 1921/22 besuchten die Volksschulen 8 894 486, 1926/27 aber nur noch 6 661 794, was einen Rückgang von 25 v. H. ausmacht. Die Zahl der Volksschüler beiderlei Geschlechts hat sich demnach um rund ein Viertel in Deutschland verringert. Bei den jüdischen Volksschülern macht sich auch ein Rückgang von 23 333 im Jahre 1921/22 auf 19 956 zur Zeit der letzten Erhebung geltend, aber relativ ist die Minderung um rund 10 Prozent geringer als bei der allgemeinen Schülerzahl. Hierbei muß aber beachtet werden, daß durch die Auflösung der Vorschulen bei den höheren Lehranstalten eine verhältnismäßig große Zahl jüdischer Knaben und Mädchen von den Vorschulen in die Gemeindeschulen kamen. Ueberall da, wo die Vorschule nicht bestand, besonders in Süddeutschland, stößt man auf weit höhere Rückgänge der Besuchsziffern der jüdischen Volksschüler. In Baden zum Beispiel hat sie sich innerhalb des Fünfjahrzeitraumes von 1532 auf 892 vermindert, in Bayern von 2760 auf 1770 usf. Nach der Volkszählung von 1925 kommen auf 1000 deutsche Einwohner rund neun Juden, stellen wir in derselben Weise die Volksschüler gegenüber, so entfallen auf' 1000 Volksschüler im Jahre 1921/22 nur 2,6 und im Jahre 1926/27 rund drei jüdische Volksschüler. Infolge der zurückgegangenen Schülerzahlen haben auch die vollbeschäftigten Lehrkräfte von 195 946 auf 184 358 seit 1921 bis 1926 abgenommen, was ungefähr einen Rückgang von 10 Prozent ausmacht. Die jüdischen Lehrkräfte, die in den Volksschulen beschäftigt werden, sind in der gleichen Zeit von 453 auf 333 zurückgegangen, was einen Abstieg von rund 25 Prozent bedeutet, der fast gleichmäßig sich auf alle Teile Deutschlands erstreckt. Ueber die Privatschulen und die Fortbildungs-, Berufs- und Fachschulen sind im Statistischen Jahrbuch nur summarische Zahlen, ohne Hervorhebung der Konfession, veröffentlicht, die für unsere Betrachtung deshalb nicht ins Gewicht fallen1. 1 Ueber die höheren Schulen in Deutschland vgi. den Aufsatz von A. Fürst S. 48 ff. Aufsätze über das jüdische Schulwesen außerhalb Deutschlands veröffentlichen wir in den nächsten Heften. Die Schriftleitung. 10 Monatsschrift, 75• Jahrgang.