Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension] / Wendel, Adolf
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- spine
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829967-2829974--50191-2836628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
476 P. J« Kohn: Rabbinischer Humor aus alter und neuer Zeit. Zweite, vermehrte Auflage. Frankfurt a. M., J. Kauffmann, 1930. 272 Seiten. Br. 8, —; geb. 10,— RM. Die gesammelten Anekdoten, eine kulturgeschichtliche Kleinmalerei wesentlich des Ostjudentums, illustrieren die verschiedensten Gebiete frommen Lebens in Haus, Synagoge und Oeffentlichkeit. Träger sind größtenteils die Personen des Klerus. Sprachlich lernt man allerlei Fachausdrücke dieses Lebenskreises, sachlich eine Reihe von Sitten und Bräuchen bei Festen und Kulthandlungen, Hochzeit und Tisch, in Schulwesen und Gemeindeverwaltung kennen. Auch in jüdisches Seelenleben, auffallend durch seine beharrliche Gleichförmigkeit in Antike und Moderne, blickt der Leser. Glanzvolle Pointen, geistesgewandte Rededuelle, Wort- und Namenwitze werden gefeiert. An Lebenswerten blicken neben Wohlstand und Ehre Lebensklugheit, Gesetzestreue und Wohltätigkeit durch. Bedeutsam erscheint mir die Schrift zunächst als Quellenbuch. Außerdem wird es der gesetzestreue, vielleicht auch der gesetzentfremdete Jude als Unterhaltungsbuch gerne in die Hand nehmen. Der Jurist und Parlamentarier mag an dieser Parierkunst des Plauderbuches seine Freude haben, der Pfarrer kann viele tröstlich erheiternde Parallelen aus dem Lehen seines jüdischen Kollegen finden. Der gebotene Humor freilich deckt sich nicht mit dem unserer Begriffe und erscheint recht schwach. Eine Parallele bietet hier christlicherseits E. Haas’: Der vergnügte Theologe, dessen ,,Humor“ ebenfalls streckenweise nicht einmal den Pfarrer znm Lachen bringt. Der Sproß dieser eigentümlichen Verbindung: Theologie und Humor, Priester und Spaßmacher muß erklärlicherweise dürftig ausfallen. Die Titelform ״Heitere jüdische Anekdoten“ erschiene überhaupt angebrachter. Einige wenige Einzelheiten des Inhaltes wirken für christliches, wahrscheinlich auch für westjüdisches Empfinden fremd oder gar abstoßend. Ober-Breidenbach in Hessen. Pfarrer Dr. theol. Adolf Wendel. Willy Klawitter: Die Zeitungen und Zeitschriften Schlesiens von den Anfängen bis zum Jahre 1870 bzw. bis zur Gegenwart. Darstellungen und Quellen zur schlesischen Geschichte, hrsg. vom Verein für Geschichte Schlesiens. 32. Band. Trewendt & Granier, Breslau 1930. Mit diesem Werke ist für Schlesien eine Arbeit geleistet worden, die für die meisten übrigen Gebiete Deutschlands noch nicht vorliegt. Von einem der besten Kenner schlesischen Zeitungswesens besitzen wir nunmehr ein vollständiges Verzeichnis sämtlicher in Schlesien bis 1870 erschienenen Zeitungen und Zeitschriften. Klawitter weist darauf hin, wie verhältnismäßig zahlreich die jüdischen Zeitschriften in Schlesien sind. Von all denen, die wir im folgenden nach seinem Verzeichnis wiedergeben, besteht nur noch die MGWJ. Er nennt folgende Zeitungen und Zeitschriften: Der Jude, Breslau-Leipzig 1768—72; Ha’meassef (Der Sammler), Königsberg. Breslau 1784—1829; Hebräische Zeitschrift, Breslau 1825—?; Wissenschaftliche Zeitschrift für jüdische Theologie, Grünberg 1835—47; Zur Judenfrage in Deutschland, Breslau 1843—44; Museum zur Beherzigung und Unterhaltung für Israeliten, Breslau 1843; Dibre Emeth oder Stimmen der Wahrheit an Israeliten und Freunde Israels, Breslau 1845—1912; Monatsschrift zur Geschichte u. Wissenschaft des Judentums, Breslauseit 1851; Jeschurun, Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums, Breslau 1857—76; Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben, Breslau 1862—75; Israelitische Wochenschrift für die religiösen und sozialen Interessen des Judentums, Breslau 1870—94. Da es sich bei dieser Arbeit K.s nur um eine bibliographische Zusammen- Stellung handelt und handeln kann, wäre es nun außerordentlich verdienstlich, wenn diese Veranlassung gäbe, sich mit dem jüdischen ZeitungswTesen Schlesiens monographisch zu befassen und diese Beschäftigung auch auf diejenigen Zeitungen und Zeitschriften auszudehnen, die erst nach 1870 zu erscheinen begonnen haben. Da gerade Zeitungsmaterial, besonders wenn es sich um halb private Zeitungen, wie Vereinsblätter usw. handelt, leicht in Verlust gerät ,so wäre die baldige Inangriffnahme dieser Arbeit sehr zu wünschen. W. Cohn.