Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 2)
- Language
- German
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469 nischen Punktations wesens, die früher nur auf einer einzigen, in einem eigentümliehen Ab kür zungs verfahren geschriebenen Hs beruhte. Diese Hs ist־ auch jetzt wieder mit bisher unbekannten Teilen vertreten (hier als Ms^M^bezeichnet); außerdem werden uns Fragmente von vier anderen Hssen geboten. Sie sind durchgängig mit Akzenten, spärlicher mit Vokalen versehen; jedeHs hat, wie schon eine oberflächliche Betrachtung lehrt, ihre besondere Akzent- Zeichengebung. Wie außerordentlich nahe die Akzentuation etwa von Hs K dem tiberischen System verwandt ist, ersehe man daraus, daß z. B. das tiberische Merka — gewiß ein junger Akzent — überall, wo es auftritt — also nicht nur vor Tipcha, sondern auch vor Silluq und vor Darga — in Hs Kin ein und demselben Zeichen seine Entsprechung hat. Es sei mir gestattet, hier die Bestätigung einer Vermutung zu buchen, die ich in meiner Schrift ,.Die masoretischen Akzente, 1927“ geäußert habe. Ich habe dort S. 105 f. in bezug auf das damals allein bekannte eine palästinische Akzentsystem bemerkt, daß es in Anbetracht des fortgeschrittenen Stadiums, in dem es sich befinde, nicht zu verstehen sei, wie es für die Paare Zarqa und Paseq, Legarmeh und Pazer, Rebia und Zaqef nur je ein Zeichen besitzen solle, und habe nachträgliche Verwischung der Unterschiede angenommen. In der Tat lassen die neuen Texte zunächst für Zarqa und Paseq, wie es scheint, jetzt nicht mehr erkennen, daß diese durch dasselbe Zeichen ausgedrückt wären. Für Legarmeh und Pazer behauptet es Kahle nur noch zu Ms L (S. 26*), während er gerade zu Ms M die Differenziertheit dieser Akzente jetzt ausdrücklich anerkennt (S. 32*). Daß Rebia und Zaqef verschieden ausgedrückt werden, ist in den anderen Hssen offensichtlich; für M hält Kahle an der Ungeschiedenheit dieser Akzente fest: aber, wie ein beigegebenes Faksimile (Nr. 11) zeigt, zu Unrecht. Das Faksimile beweist nicht nur, daß tatsächlich eine Differenzierung besteht, sondern bestätigt sogar, was ich, beeinflußt durch syrische Analogien, über das Wie dieser Differenzierung vermutet'hatte. Ich hatte gesagt: . .Und wenn endlich Rebia und Zaqef beide durch einen Punkt in der Mitte über dem Buchstaben ausgedrückt werden, so ist es mir höchst wahrscheinlich, daß einst der Rebia-Punkt unmittelbar über dem Buchstaben stand, der Zaqef-Punkt aber um einen bestimmten Zwischenraum von der Oberlinie entfernt war.“ Das bestätigt sich in Faks. Nr. 11 für etwa 25 Fälle. Wenn es an der einen Stelle Jes 22ל nicht zuzutreffen scheint, so ist zu berücksichtigen, daß hier eine andere akzentua־־ torische Auffassung als im tiberischen Text vorliegen kann. — Es sei schließlich noch auf das von Kahle unter Mitwirkung von R. Edelmann gearbeitete Kapitel hingewiesen, in dem der Nachweis versucht wird, daß bestimmte Handschriften uns den Text des Ben-Naftali erhalten haben im Gegensatz zu dem Gros der Ben-Ascher folgenden Texte. Als Kriterien der Zugehörigkeit zur Schule des Ben-Naftali werden gewisse Eigentümlichkeiten meist orthographischer Art namhaft gemacht: daß & mit einem Mappik-Punkt versehen wird, wenn es als Konsonant zu sprechen ist, daß Dagusch und Rafe nicht nur bei den בגדכפת, sondern noch bei verschiedenen anderen Buchstaben des Alphabets stehen, daß das Patach furtivum im allgemeinen fehlt, daß das Relativum אשד unvokalisiert bleibt und anderes mehr. Kahle unterscheidet Handschriften, die den Ben-Naftali-Text beinahe hundertprozentig bieten, und solche, die nur in geringem Maße von ihm beeinflußt sind. Zu der ersteren Gruppe rechnet er u. a. den Reuchlinschen Propheten-Kodex, die Hs Add 21161 des Brit. Museums und Teile der Hs Or. Fol. 1213 der Pr. Staatsbibliothek. Die meisten der hier in Frage kommenden Hssen und Hssen-Fragmente stammen zweifellos aus Deutschland; es ist auffällig, wie einflußreich gerade hier die Ben-Naftali-Rezension gewesen sein muß. Daß die eben erwähnte Hs der Pr. Staatsbibliothek im Orient geschrieben wäre, wie Kahle meint, erscheint mir als sehr problematisch. Im ganzen seien jedoch Kahles Darlegungen zum Ben-Naftali-Text damit nicht in Zweifel gezogen. Berlin. A. Spanier. H. Z. Hirschherg und B. Murmelstein: דואנדה לד־זלכדי tn\ Wien 1929. Verlag der Dr. Alexander Kohut-Stiftung in Wien. VIII -f 140 Seiten. Die Arbeit ist als Bd. II der Veröffentlichungen der Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes-Preisstiftung an der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien erschienen. Die Preisaufgabe, der sie ihre Entstehung verdankt, forderte,