Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 317 (sequence 2)
- Language
- German
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317 die Verwirklichung des kategorischen Imperativs. — M. E. lehnt das Judentum gar nicht so unbedingt die Kunst ab. Schon ein Blick auf Ex 282 f., 312 ff. zeigt, daß sich die Stellung der Thora zur Kunst ungefähr mit der Auffassung deckt, die nach Federbusch für die erste Epoche der Geschichte der Aesthetik bezeichnend ist: das Schöne im Dienste des Guten und Heiligen. (Vergl. dazu Wolfsbergs Nobelbuch S. 24 1.) Auf alle Fälle bleibt es ein Verdienst Federbuschs, überhaupt aus dem vernachlässigten Gebiet der Aesthetik des Judentums Fragen zur wissenschaftlichen Diskussion gestellt zu haben. Die gleiche Abhandlung bringt Darlegungen über die Autonomie der Sittlichkeit im Judentum, die im Anschluß an Lazarus durchaus anerkannt wird. Die Thoragesetze sind nicht sittlich, weil Gott sie geboten hat, sondern er hat sie geboten, weil sie sittlich sind. Gott ist nicht der Urgrund der Sittlichkeit, sondern nur ihr Urbild, daher auch im Sinne der Thora eine areligiöse Grundlegung derselben möglich. Durch eine solche enthüllt sich gerade die Autonomie des menschlichen Willens in der Sittlichkeit. — Mir scheint eine areligiöse Begründung der Sittlichkeit, die Gott sozusagen nur als Illustration des Gesollten zuläßt, keineswegs dem Geiste der Thora entsprechend. M. E. gibt es für das Judentum keine echte, d. h. objektiv gültige Sittlichkeit, die nicht in Gott letztlich ihren Grund hat. Wohl ist der sittliche Wille autonom, aber in seiner Eigengesetzlichkeit offenbart sich vorzugsweise die vom Menschen innerhalb seines Machtbereichs zu aktivierende Angelegtheit des Seins auf Sinn- und Werthaftigkeit, also der identische göttliche Urgrund des Seins und Sollens. Ernste Beachtung verdient die wichtige, von Wilhelm Jerusalem geförderte soziologisch-ethische Arbeit ,,Die Entwicklung der Wahrhaftigkeit“ (התפתחות מדת־האמת), die nur einen Ausschnitt aus einer vom Verf. geplanten ,,Geschichte der Moralbegriffe des Judentums“ darstellt und unter besonderer Berücksichtigung der alten Literatur Israels geschrieben wurde. Nur ein Punkt sei Mer erwähnt. Federbusch unterscheidet eine apriorische und eine soziologische Moral. Die apriorische bedeutet das Wesen der Sittlichkeit, die soziologische ihre Wirklichkeitsformen zu verschiedenen Zeiten. Das apriorische, ewige Wesen des Sittlichen bestehtim kategorischen Imperativ, der unsere Handlungen so einzurichten fordert, daß daraus dem andern und der Gesamtheit kein Schaden erwächst. ,,Das ist der weite apriorische Rahmen des ganzen Wesens der Sittlichkeit nach Kant und das ist die ganze jüdische Lehre in der Sprache Hilleis.“ Die besonderen Inhalte des kategorischen Imperativs jedoch, das jeweilen konkret Gute und Böse, d. h. sozial Förderliche und Schädliche, kurz die soziologische Sittlichkeit, ist veränderlich und muß rein entwicklungsgeschichtlich betrachtet werden. — Die Richtigkeit der Trennung eines apriorischen und empirischen (,,soziologischen“) Elements innerhalb des Sittlichen ohne weiteres zugegeben, scheint mir die Gleich- Setzung des Apriorischen gerade mit dem kategorischen Imperativ Kants zu eng und einseitig. Auch dessen sozial-utilitaristische Deutung halte ich für unzulässig, wiewohl sich vielleicht aus Kant selbst trotz allem manches zu ihren Gunsten Vorbringen ließe. Ob schließlich Hilleis Ausspruch philosophisch auf den Kantischen kategorischen Imperativ genau hinauskommt, möchte ich durchaus nicht als gesichert ansehen. Die kritischen Bemerkungen sollen darauf hinweisen, daß es sich um ein ernst zu nehmendes wissenschaftliches Buch handelt, wie auf diesem Gebiet die neuere hebräische Literatur kaum viel Ebenbürtiges noch hervorgebracht hat. Hoffentlich verwirklicht Federbusch den Plan einer ״Geschichte der Moralbegriffe des Judentums“, wofür er offenbar die Eignung besitzt. Er würde damit eine wertvolle und notwendige Vorarbeit für eine zukünftige umfassende ,,Ethik des Judentums“ leisten, wie sie den wissenschaftlichen Lebenstraum Achad Haams bildete. Buchau a. F. Abraham Schlesinger. ספרי־חנוךוספרי־ילדים שנדפש ו באר׳ן־ישראל בשנות תר׳׳ן־תרפ״ח. ביבליוגרפיה מאת אברהם יערי. Jerusalem, 1929, 42 S. Anläßlich des 25 jährigen Jubiläums ihres Bestandes hat im Vorjahre die Organisation jüdischer Lehrer in Palästina ein großes Jubiläums buch herausgegeben. Es war ein glücklicher Gedanke der Herausgeber, in dieses Blich eine Bibliographie der hebräischen Erziehungsbücher und Kinderbücher