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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 315

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 315 (sequence 2)
Language
German
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315 Es wäre daher gar nichts ein zuwenden gegen das Prinzip des unveränderten Abbeziehungsweise Nachdruckes, wenn die Vorlagen eben gut, unbedingt fehlerfrei durchkorrigierte Textausgaben wären, was jedoch leider nicht immer der Fall ist. Dann schleppt diese neue Edition die alten Druckfehler, gleichsam erblich belastet, automatisch nach sich, zum Schaden für die Benutzungsmöglichkeit, allenfalls gewissermaßen einen Schönheitsfehler zur Schau tragend. Ich möchte diese Behauptung an folgenden, aufs Geratewohl gefaßten, Beispielen aus der Jeruschalmiausgabe illustrieren: Band I, Seite 27a, Zeile 15 von unten im Text מצויץ של יום, richtig: מצרי (so 1, ebenfalls .פני משד zur Stelle s. h. v.), ebenda Seite 31b, Zeile 2 v. u. רבי אליעזר בן עזריה, richtig: אלעזר (so auch richtig S. 32a, Z. 3), ebenda Seite 56a, Z. 13 אמר לו תלמידיו, richtig: אמרו, ebenda S. 60b, z. 9 נזרו בית דין של מטה והסבים בית דין של מעלה. Mitunter sind sogar diese Druckfehler sinnstörend, so z. B. ebenda Seite 12b, Z. 16 לשואל, richtig: לשאול, ebenda Zeile 13 v. u. האמור, richtig: האומר, ebenda Zeile 2 v. u. שואל מפני היראה ומשיב מפני, הכפור, richtig: ומשיב מפני היראה (so! ebenfalls der Kommentar פכי משד s. v. כשמעיניד). Und so geht es in einem fort. Die Ausgabe ist darum nicht up to date hinsichtlich der Tadellosigkeit der Redaktionstechnik dieses am meisten verwaisten Talmudtextes. Der Talmud Jeruschalmi hat ja bekanntlich viel, gar viel zu leiden gehabt unter den Schicksalsschlägen seiner Träger durch clas Schreckensregime Ostroms gegenüber den Bekennern des Einig-Einzigen. Darum hat die Formgebung und Bearbeitung, welche dem Babylonischen Talmud zuteii wurden, dem Jerusale mischen lalmud wegbleiben müssen. Nun wollte es das Schicksal, daß auch die Chorebausgabe des Jeruschalmi zurückbleibe hinter der BabLiausgabe. Qismet. Allein soll man es tatsächlich als eine unabänderliche Schicksalsfügung ansehen müssen? Hat es wirklich so kommen müssen? Wäre eine solche leichthin genommene Behandlung eines uralten wichtigen Textes in einer anderen Wissenschaft auch nur denkbar? Am Ende sollte einmal mit den Auswüchsen der rein geschäftsmäßig betriebenen, dilettantisch ausgeführten Ausgabetechnik von wissenschaftlichen Werken aufgeräumt werden. Ein Werk muß nicht nur in der äußerlichen Ausstattung, sondern nicht minder in der Treue und der Korrektheit der Wiedergabe des Stoffes auf der Höhe zu stehen bestrebt sein. Man darf wohl mit Fug und Recht von einer in Berlin veranstalteten Ausgabe Tadelloses erwarten. Gewiß wird hierdurch das Werk nicht unbrauchbar, allein diese Mängel fallen unliebsam auf und sind mitunter geradezu störend, was hätte vermieden werden sollen. Warschau. Josef Mieses. Philippson, Martin: Neueste Geschichte des jüdischen Volkes, Band II, Zweite vermehrte und verbesserte Auflage, bearbeitet von Immanuel Bernfeld, Frankfurt a. M. 1930. SS. XI -f 392. Verlag J. Kauffmann, Frankfurt a. M. Der zweite Band der neuesten Geschichte des jüdischen Volkes von Martin Philippson, die in zweiter Auflage und neuer Bearbeitung durch Immanuel Bernfeld vorliegt, umfaßte in der Erstausgabe die Geschichte der Juden in West- und Mitteleuropa von 1875—1908 und die des Orients von 1830 bis zum gleichen Jahre. Die Neubearbeitung hat zunächst die Geschiehte in diesen Ländern bis zum Ausbruch des Weltkrieges fortgeführt und damit dem Werk die nötige Abrundung gegeben. Der Neubearbeiter hebt mit Recht in der Vorbemerkung hervor, daß der Weltkrieg in den meisten Ländern das Leben der Juden so verändert hat, daß eine neue Epoche in der jüdischen Geschichte mit ihm anhebt. Die Ergänzungen betreffen besonders die statistischen Anführungen, die Philippson in seine Darstellung eingearbeitet hatte und die durch neuere aus späteren Jahren ersetzt werden konnten. Auch was im staatspolitischen, geistigen und sozialen Leben der Juden in diesen sechs Jahren von 1908—1914 noch besonders auffällig zutage trat, ist'neu mit verarbeitet. Von äußeren Erlebnissen war in dieser kurzen Spanne von Jahren natürlich nicht viel hinzuzufügen. Das beste Material für alle notwendigen Ergänzungen bot Philippson selber in den Rückblicken, mit

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