Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 236

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 236 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829967-2829971-2836113--49848-2836223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

236 dem Glauben an den Sieg der Humanität, der doch einmal kommen muß und das Ende des Judenhasses, den Schluß aller konfessionellen Hetzen, den großen Sabbat der Weltgeschichte, die messianische Ruhe- und Glücksperiode für den ,,Ahasver6‘ bringen wird. Dies Buch von Mieses ist in zwei Hauptteile mit 24 Kapiteln gegliedert, in denen eine bunte Fülle historischen, kulturellen und religiösen Stoffes enthalten ist. Beleuchtet er in dem ersten Teil die Beeinflussung der arischen Völker durch die Semiten und speziell das Judentum, so kommt er im zweiten Teil vorzüglich auf die sogenannten Motive des Judenhasses in der neueren und neuesten Zeit zurück. Schon die Ueberschriften der letzten 14 Kapitel ,,Die jüdischen Kultureigentümlichkeiten und der moderne Interkonfessionalismus“, ,,Der jüdische Wucher und der Judenhaß“, ,,Diverse wirtschaftliche Motive des Judenhasses“ und andere zeigen, wie der Verfasser bemüht ist, die Gründe des Antisemitismus aufzudecken. Seine Ausführungen gehen dahin, das Unzutreffende fast aller dieser angeblichen Ursachen zum Judenhaß klarzulegen. Hauptsächlich die ReligionsVerschiedenheit birgt in ihrem Schoße die Grundursachen zu den vorhandenen Kollisionen und Zusammenstoßen. Das Judentum kann aber seine Religion durch Uebertritt in. eine andere nicht aufgeben. Trotzdem besitzt das Judentum nicht mehr politischnationalen Charakter als alle anderen Glaubensgemeinschaften. Unter dem Gesichtswinkel der Religions- und Kulturgeschichte stellt das Judentum eine Gruppe dar, die einzig und allein konfessionshistorischen Gesetzen unterworfen ist und in keinem Zuge anders als alle anderen Religionsgesellschaften ihr Kollektivdasein gestaltet, ist die Ansicht von Mieses. Mieses ist ein von der Größe der jüdischen Religion erfüllter Mensch, und mögen manche seine historischen und kulturellen Darstellungen auch Angriffsflächen aufweisen, so gibt sein Buch viele Anregungen und kann gerade in der Gegenwart, wo die antisemitische Welle in Deutschland wieder ansteigt, als Lektüre für jüdische Kreise empfohlen werden. Dr. Julius Rothholz. Dr. rer• pol. I. M• Isler. Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft. 1929. I. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a. M. Ein prächtiges Buch hat Dr. Isler geschrieben, in dem er sich die Aufgäbe stellt, die aktuelle Frage der Rückkehr der Juden zur Landwirtschaft einer systematischen Prüfung zu unterziehen. Sind seine theoretischen Ausführungen im ersten Kapitel interessant, in dem er klar und deutlich die weit verbreitete Ansicht, daß die Juden von Anfang an dem Handel ergeben waren, ad absurdum führt, so fesseln den Leser die folgenden Kapitel, die eine wahrheitstreue Schilderung der Entwicklung jüdischer Kolonisation in den verschiedensten Ländern der Welt bringen. Keine Tendenz beherrscht das Buch und es ist ein Vergnügen, festzustellen, wie der Verfasser es versteht, die Licht- und Schattenseiten bei den jüdischen Unternehmungen auf landwirtschaftiichem Gebiete aufzudecken. Sehr wertvoll ist es auch, daß Isler seinen Ausführungen ein Literaturverzeichnis folgen läßt, in den! die einschlägigen Bücher über das Landwirtschaftsproblem bei den Juden enthalten sind. Julius Rothholz. Siegfried Ucko: Der Gottes begriff in der Philosophie Hermann Cohens. Berlin 1929. Verlag Reuther & Reichard. VIII, 51 S. Der Wert dieser schönen Arbeit geht von der Methode aus, die sie anwendet: Es soll die Entwicklungslinie des Gotteshegriffs innerhalb der Cohenschen Systematik aufgezeigt und dabei sowohl auf die system-immanente Prüfung der entsprechenden Positionen als auf ihre Kritik von außerhalb des Systems liegenden Gesichtspunkten aus, also auf eine Kritik des Systems überhaupt und seiner Methode verzichtet werden. Gewollt ist eine ,,phänomenologische“ Charakterisierung des Cohenschen Gottesbegriffs in Richtung auf die spezifisch religiösen Wertungen, die in ihm erscheinen. Diese Entwicklung wird von den Arbeiten der siebziger Jahre über die späteren Fassungen der Kant- und Systemschriften bis zum Alterswerk (,,Der Begriff der Religion im System der Philosophie“, ,,Die Religion der Vernunft“ und die von Cohen noch selbst in Druck gegebene Vorarbeit dazu ,,Einheit oder Einzigkeit Gottes“) verfolgt. In dieser Entwicklung sind da; die methodologische Bedeutung des Gottesי

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.