Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 234 (sequence 2)
- Language
- German
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284 geheiratet (Cichorius 353). Oder Antonia (18, 1182—9ל) ist als Witwe des älteren Drusns und Schwägerin des Tiberius bekannt; vgl. Dio 49, 3. — Neben die römischen Stücke treten in diesem Buche die Berichte über das werdende und junge Christentum. Zu der berühmten Stelle 18,63 ff. wird eine kurze, schon von Reinach ergänzte Anmerkung gegeben, aber Eislers großes Werk, das ja ganz neues Licht vom slawischen Josephus aus auf diese Stelle wirft, ist noch nicht genannt. Ebenso wenig werden die Stellen aus dem N T, die Josephus’ Angaben beleuchten, herangezogen; dazu kann gut Eduard Meyer, Anfänge und Ursprung des Christentums und Strack-Billerbeck, Kommentar zum N T benutzt werden. Zu Johannes dem Täufer wird auf Matth, verwiesen; es wäre gut, den Unterschied der Erzählung mit wenigen Worten zu charakterisieren, wie dies Meyer I 88, 4 tut. Bei den Steuern für den Kaiser (18, 4) wäre auf Matth. 14, 3 zu verweisen (vgl. Strack I 884); zu 18, 312 wäre Strack I 763, 766 heranzuziehen. — Für die Nachrichten über die Parther sei auf E. Täubler, Parthernachrichten bei Josephus verwiesen. Für die Edikte in 16, 31 ff. hätten Parallelen sprachlicher Art oder sachliche Hinweise auf das Verhältnis Rom und Judäa gegeben werden sollen; nützlich ist hier immer noch das Werk von Jean Juster, les juifs dans l’empireromain. Daß Josephus die Einstellung der Römer zum Kaisertum und der Kaiser zu ihren Untertanen verstanden hat, zeigt z. B. gut die Stelle 19, 236, die der Auffassung entspricht, daß die römischen Kaiser lieber vom Senat als vom Militär ihre Stellung erhalten wollten. — Bei der Beschreibung von Herodes’ Krankheit bedient sich J. der Ausdrücke, die Thukydides bei der Athenischen Pest anwendet. Diese Worte verwendet er dann überhaupt, wenn er eine unangenehme Krankheit beschreiben will. Zu 20,48 vgl. Sophocles, Philoktet 1443 f. — Für Tiberius Alexander, dem S. 267, 1 eine größere Anmerkung gegeben wird, wäre gut auf Dittenberger, Orientis Graecae inscriptiones 669, Anm. 2 zu verweisen gewesen. — Die Erklärung der Ortsnamen ist leider sehr mangelhaft; die Arbeiten S. Kleins wären an unzähligen Stellen heranzuziehen. — Bei dem Thema Antisemitismus wäre jetzt auch auf Heinemann in der Realenzyklopädie Supplement V, Sp. 11 f. zu verweisen. — Einige Worte noch über die Textkritik und Druckfehler; wenn der Leser sich nach den Anmerkungen für eine Lesart entscheiden soll, müßte er eine Angabe der codd. erhalten. S. 10, 1; 16, 51 ist Niese falsch zitiert. § 59 ist Niese zu halten, § 135 ist auch Niese nicht richtig zitiert, 17, 91 (S. 85, 1) erv/artete man die Lesart der codd., 18, 118 ist gegen Niese — er liest 7jaü7j3av, während Eusebius und die codd. r{pfrf}acry haben — gelesen und übersetzt, aber das hätte gerade angemerkt werden müssen (vgl. M. Dibelius, Die urchristliche Ueberlieferung von Johannes dem Täufer S. 123, 3); 19, 264 (S. 234, 2) wird im Text Apronius geschrieben, was in keiner Ueberlieferung zu lesen ist, mit welchem Recht, nur wegen der Identifizierung? Druckfehler: S. 45, 1 muß es wohl Korach heißen, das Werk sollte hier auch genannt werden, u. a. m. — Auch dieser Band der Uebersetzung läßt also, wissenschaftlich betrachtet, noch viele Wünsche offen. Der Text ist nur bis zu S. 140, 1 durch den leider am 28. 10. 1928 verstorbenen Theodor Reinach nachgesehen. Kiel. ׳ A. Posner. F. Bernstein: Der Antisemitismus als Gruppenerscheinung. Versuch einer Soziologie des Judenhasses. 1926. Jüdischer Verlag, Berlin. In einem Aufsatz, den Isaak Heinemann anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Akademie der Wissenschaft des Judentums über Ursprung und Wesen des Antisemitismus im Altertum geschrieben, bemerkt er ein- 'leitend sehr feinsinnig: ״Wer die Geschichte der Beurteilung einer Gruppe zu schreiben sucht, steht vor verschiedenen Aufgaben, je nachdem er objektive (oder nach Objektivität strebende) Urteile oder andererseits Aeußerungen eines geistigen Gruppenkampfes, seien sie freundlicher oder feindlicher Art, behandelt.“ Aber der Verfasser des uns vorliegenden Buches, F. Bernstein, ein holländischer Zionist, steckte sich ein höheres Ziel. Die bisherigen Erklärungsversuche des Ursprungs des Antisemitismus, die aus historischen Fakten abgeleitet waren, wie religiöser Fanatismus, wirtschaftlicher Neid usw., genügen ihm nicht; er versucht nicht nur, die Judenfeindschaft in ahnliehe Spannungen einzureihen, sondern auch deren automatisches, außerhalb jeder Schuldfrage liegendes Entstehen zu erklären, kurz gesagt, er will die Ursache zur historischen Entwicklung der Judenhasser auf soziologischem