Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Protokoll der Mitgliederversammlung der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums vom 19. März 1930 [Nachricht] / Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 2)
- Language
- German
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154 Professor D1\ Ginzberg (New York) Professor Dr. Guttmann (Berlin) Professor Dr. Heinemann (Breslau) Chief Rabbi Dr. Hertz (London) Rabbiner Dr. Jacob Horovitz (Frankfurt a. M.) Professor Dr. Joseph Horovitz (Frankfurt a. M.) Bankier Jaulus (Berlin) Rabbiner Dr. Lazarus (Frankfurt a. M.) Oberrabbiner Dr. Löw (Szegedin) Rabbiner Dr. Lucas (Glogau) Professor Dr. Marx (New York) Geh. Oberregierungsrat Dr. Mayer (Karlsruhe i. B.) Syndikus Dr. Nathan (Hamburg) Bibliothekar Öko (Cincinnati) Professor Dr. Palache (Amsterdam) Geh. Regierungsrat Professor Dr. Philippson (Bonn a. R11.) Henry Rothschild (Frankfurt a. M.) Dr. med. Sandler (Berlin) Professor Dr. Schorr (Warschau) Hofrat Rektor Professor Dr. Schwarz (Wien) Siegmund Seeligmann (Amsterdam) Professor Simonsen (Kopenhagen) Rabbiner Dr. Vogelstein (Breslau) Rabbiner Dr. Weisse (Berlin) Rabbiner Professor Dr. Winter (Dresden) Bankier Paul Veit Simon, Schatzmeister (Berlin) Zugewählt wird: Rabbi Dr. H. G. Enelow, New York. Im Anschluß hieran erwähnt Herr Professor Mittwoch, daß jetzt zehn Jahre vergangen sind, seit der Vorsitzende in einer besonders schwierigen Zeit sein Amt übernahm, und dankt ihm namens des Ausschusses und der Mitglieder aufs, wärmste für seine bisherige erfolgreiche Tätigkeit zugunsten der Gesellschaft. An den geschäftlichen Teil schloß sich ein Vortrag, den Herr Dozent Dr. I. Heinemann aus Breslau über ״Die geschichtlichen Wurzeln des neuzeitlichen Humanitätsgedankens“ hielt. Der Vortragende ging davon aas, daß die Idee der Humanität, deren Geltung sich für das 18. Jahrhundert von selbst verstand, inzwischen starke Anfechtungen erfahren hat. Insbesondere befürchte man von ihr eine Gefährdung der Willensstärke und der Hingabe an den näheren Pflichten kreis. Der Redner zeigte, daß der Humanitätsgedanke im Altertum keineswegs, wie seine Gegner glauben, aus Kräften des Verfalls und der Zersetzung erwachsen ist, allerdings aber zu verwandten Konflikten geführt hat, wie sie auch heute zu Tage treten. Plato und Aristoteles vertreten den Gedanken der Menschlichkeit, aber nicht den der Menschheit; die Kyniker vertreten den Kosmopolitismus, geben aber die eigentümlichen Werte der menschlichen Kultur preis. Die Stoa verbindet Menschheits- und Menschlichkeitsgedanken, legt aber quietistische Ergebung in den Naturlauf nahe. — In Israel erwuchs aus dem Glauben an den einen Gott die Idee der einen Menschheit; und da dieser eine Gott zugleich als Gott der Gerechtigkeit und der Liebe erkannt wurde, trug der Menschheitsgedanke zugleich humane Züge. Die Ueberwindung der Schwierigkeit glückte hier leichter, da Unter- Ordnung unter den Willen Gottes gefordert wurde, der nicht Ergebung, sondern gerechte Tat von uns verlangt. Daher sind die Vertreter der Humanität im Judentum zugleich stärkste Willensmenschen gewesen. Die Ueberwindung des Gegensatzes von Partikularismus und Universalismus gelang auf dem Wege, daß man an die Sendung Israels glaubte; der Jude soll daher seinen Eigenwerten treu bleiben, um sie der Menschheit zu verkünden. Nicht Philanthropie, sondern Mitgefühl (אהבת הבריות) fordert der jüdische Humanitätsgedanke. Reicher Beifall dankte dem Redner für seine Ausführungen. Der Vorsitzende dankte dem Vortragenden und schloß die Versammlung um 22 Uhr. gez. M. Sobernheim. gez. I. Elbogen.