Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension] / Carlebach, Josef
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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149 Festgabe zu Josef Wohlgemutes 60. Geburtstag. Jüdische Studien von Freunden und Schülern gewidmet. 1928. J. Kauffmann Verlag, Frankfurt am Main. Dem hochverdienten Dozenten am Rabbinerseminar in Berlin haben Freunde und Schüler zu seinem 60. Geburtstag eine Festschrift gewidmet. Wohlgemuth ist ein Gelehrter, dessen literarisches Wirken ebenso sehr wie seine Persönlichkeit ganz eigener Prägung ist, der enthusiastische, fast mystische Frömmigkeit mit wissenschaftlicher Klarheit und Objektivität, ein jüdisches Wissen alten Umfangs mit umfassender moderner Welt- und Literaturkenntnis vereint. Diese seine Eigenart spiegelt die Festschrift nur in geringem Maße. Ein inneres Band haben ihre einzelnen Abhandlungen untereinander nicht. Vielleicht könnte man in der Arbeit von Marmorstein: ,,Die Nachahmung Gottes (Imitatio Dei) in der Agada“ und in Unnas: ,,Die Stellung Schopenbauers zum Judentum“ Seitenblicke auf Wohlgemuth sehen in dem Gedanken, daß die Nachahmung Gottes oder die Vergöttlichung irdischen Lebens Wohlgemuths Lebensdevise ist oder daß in den Bahnen Wohlgemuthscher Kritik Schopenhauers Ablehnung des .Judentums als eine jener Einseitigkeiten und Ungerechtigkeiten dargelegt wird, deren sich große Denker oft sc! uldig machen, wenn sie integrierende Seiten des Kulturlebens für ihr System unberücksichtigt lassen und durch den Blick auf die Totalität des Seins berichtigt werden müssen. Man kann in der Arbeit von M. Auerbach: ,,Der Streit zwischen Saadja Gaon und dem Exilarchen David ben Sakkai“ und dem Nachweis, daß der Gegner Saadjas vor einer ruhigen vorurteilslosen Kritik Recht behält und die Verehrung für den genialen Meister aus Sura uns nicht abhaiten darf, zu bekennen, daß er in seinem Streit Unrecht bat, einen leisen Hinweis auf das hohe Gerechtigkeitsgefühl W.s erblicken. Auch die Arbeit von J. Carlebach: ,,Einleitung in das Buch Ruth“ knüpft an Wohlgemuths Arbeiten gegen die liberale christliche Theologie und die Verunglimpfung der jüdischen Gesetzlichkeit an, um in dieser Megilla einen Spiegel der tiefsten jüdischen Religiosität aufzuweisen. Größere wissenschaftliche Arbeiten haben beigesteuert vor allem S. Klein und E. Hildesheimer, ersterer mit einer Untersuchung: ,,Galiläa von der Makkabäerzeit bis 6ל“. Sie ־weist alle die Vorzüge auf, die die sämtlichen Arbeiten Kleins tragen, der du^ch sein historisch-geographisches Wissen die Quellschriften in ganz eigenartiger Weise erleuchtet und lebendig macht, eine meisterhafte Vereinigung von Halacha und geographischer Forschung. Immer wieder ist mail erstaunt, wie hier die Hilfswissenschaften uns Bibel wie Talmud erst recht verständlich machen. An den Beitrag von E. Hildesheimer: ״die Komposition der Sammlungen von Responsen der Gaonen“, eine für den jungen Gelehrten erstaunlich fleißige und großzügige Arbeit, hat sich leider eine Kontroverse zwischen Albeck und Hildesheimer angeschlossen. Wir fühlen uns nicht berufen, über die sachliche Seite des Streites ein Urteil zu fällen, müssen es aber bedauern, daß sich Hildesheimer nicht von vornherein solcher Angriffe auf Persönlichkeiten enthalten hat, die zu einer leidenschaftliehen Auseinandersetzung führen. Einer der fähigsten Mitarbeiter Wohlgemuths, Dr. A. Blau-Hamburg, schreibt ״über den Gegensinn der Worte im Hebräischen“, die er auf psychologische Grundlagen in Anlehnung an Freudsche Gedankengänge bauen will; der Forscher B. Lewin, der durch seine Behändhing des Scherirabriefes sieb verdient gemacht hat, etwas über die Scheiltoth des Raw Achai Gaon; Kaatz liefert eine Deutung des Psalm 115; Markon gibt einen Beweis seiner großen Belesenheit in seiner Abhandlung über ,,das Land Schabat in den Reisebemerkungen des Athanas Nikitin“ (1466—1472), den Sagenfluß Sambattion behandelnd, endlich Grünberg und Horovitz talmudisclie Miscellen, von denen ganz besonders die Grünbergs eine interessante Art der Behandlung der halacbiseben Probleme aufweist. J. Carlebach. Encyclopaedia Judaica. Das Judentum in Geschichte und Gegenwart. 4. Band * Beer-Bing bis Gagliari. Berlin, Verlag Eschkol (1929). Das Unternehmen ist nunmehr soweit fortgeschritten, daß über die Behandlung der einzelnen Teilgebiete von Fachmännern berichtet werden kann. Die MGWJ wird daher in Zukunft im Rahmen der Sammelanzeigen sowohl die Enzyklopädie wie das Jüdische Lexikon berücksichtigen; dies ist bereits im Bericht des Herrn Rabbiner Dr. Kober über Geschichte der Jude!! in Deutschland oben S. 82 f. geschehen.