Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 145 (sequence 2)
- Language
- German
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146 wesen und über die Universitäten, aber dei Raummangel verbietet uns näher darauf einzugehen und wir überlassen allen Freunden jüdischer Ostprobleme die Lektüre des gehaltvollen Jahrbuches. Julius Rothholz. The Jews in the United States, 1927. A. Study of tlieir Number and Distri-• bution by Harry S. Linfield. — New York. The American Jewish Commitee.• Mit Freude begrüßt wird immer bei seinem Erscheinen das amerikanische Jahrbuch, in dem uns der Direktor der statistischen Abteilung, Harry S; Lin-• fielet, von dem Amerikanischen Jüdischen Comitö eine Uebersicht über die Zahl der Juden im Land der ,,unbegrenzten Möglichkeiten“ gibt. Die Studie, wie sie bescheiden von Linfield genannt wird, kann den Neid der deutschen Juden erwecken; das amerikanische ComiU hat es fertiggebracht, auf dem Wege der Organisationen einwandfreies statistisches Material zu sammeln, während man in Deutschland aus den Erwägungen nicht herauskommt und sich mehr auf das amtlich statistische Material, das aber ganz nur im geringen Maße nach konfessionellen Gesichts punkten bearbeitet ist, zu verlassen. Seit den letzten zehn Jahren (1917—1927) hat sich die jüdische Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika von rund über 3y3 Millionen auf rund 4% Millionen vermehrt, ihr Prozentsatz ist von 3.27 auf 3.58 gestiegen und übertrifft das Wachstum der Gesamtbevölkerung. Die dichteste jüdische Bevölkerung ist im Staate New York anzutreffen, wo auf 100 Einwohner 16.67 Juden im Jahre entfallen. Auch in den Vereinigten Staaten ist besonders die Bevölkerung der Großstädte mit über 100 000 Einwohnern stark mit Juden durchsetzt, im Durchschnitt mit 11.11 Prozent, während die Hauptstadt des Deutschen Reiches nur 4 Prozent Juden aufweist. Auf dem platten Lande sinkt der Prozentsatz auf 0.15 Prozent herab. Diese Zahlen beweisen schon den interessanten Inhalt der Studie, deren Lektüre wir wärmstens unsern Lesern empfehlen können. Julius Rothholz. Leipzig und Mitteldeutschland. Denkschrift für Rat und Stadtverordnete zu Leipzig, Leipzig 1928. Die aktuelle Frage des ,,Einheitsstaates“ Deutschland wird in dieser Denkschrift behandelt und in welchem Sinne geht schon daraus hervor, daß einleitend eine Stelle aus einem Briefe des bekannten Staatsmannes Reichsfreiherrn vom Stein an Graf Münster aus dem Jahre 1812 veröffentlicht wird, in dem der Vater der preußischen Staatsverwaltung erklärt: ,,Mir sind die Dynastien in diesem Augenblick großer Entwicklung vollkommen gleichgültig, es sind bloß Werkzeuge, mein Wunsch ist, daß Deutschland groß und stark werde, um seine Selbständigkeit, Unabhängigkeit und Nationalität wieder zu erlangen, und beides in seiner Lage zwischen Frankreich und Rußland zu behaupten; das ist das Interesse der Nation und ganz Europens; es kann auf dem Weg alter zerfallener und verfaulter Formen nicht erhalten werden . . .“ Ganz dieselben Gedankengängu bewegen den Verfasser der Denkschrift Stadtrat Dr. Leiske, und auf dem Wege zum Einheitsstaat schlägt er vor ein Mitteldeutschland, welches das Gebiet Sachsen, Thüringen, Anhalt und Braunschweig wie das Gebiet des preußischen Sachsen mit Leipzig als Vorort umfassen soll. In diesem Mitteldeutschland, das flächeninhaltlich 12,32% der Gesamtfläche des Deutschen Reiches umfaßt, wohnen fast 11 Millionen Einwohner oder 16,19% der deutschen Einwohnerschaft, so daß es der Bevölkerung^- dichte nach bei weitem den Durchschnitt des Deutschen Reiches in seiner jetzigen Gestalt übertrifft. Aber ganz dünn gesät sind die jüdischen Anteile innerhalb dieser großen Bevölkerung. Dem Prozentsatz nach bilden die Juden innerhalb Mitteldeutschlands, wie wir der Denkschrift entnehmen, nur 0,36%, gegen 0,9% im ganzen Reiche, und sie konzentrieren sich in der Hauptsache auf die Großstädte Magdeburg, Leipzig, Dresden und Chemnitz. Trotzdem wuchert grade in diesem Lande das Unkraut des Antisemitismus, wie es die letzten sächsischen Landtagswahlen mit großer Deutlichkeit gezeigt haben. Es liegt außerhalb des Rahmens dieser Denkschrift, dieses Problem zu erörtern, aber wer Land und Leute und wirtschaftlichen Aufbau und kulturelle Entwicklung dieses industriellen Gebietes kennen lernen will, sei das Studium der Denk- Schrift empfohlen. Julius Rothholz. Monatsschrift. 4ד JahrSang. 10