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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 500

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 500 (sequence 2)
Language
German
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500 frühzeitig einen jüdischen Uebersetzer, der seine Arbeit im Jahre 1580 niedergeschrieben hat. Die ״sieben Meister von Rom“ haben eine erstaunliche Anzahl von Druckauflagen erlebt. Im Hebräischen wurden sie schon im 13. Jahrhundert aus dem Arabischen übernommen. Später ging diese Brzählung auch ins Jüdisch-deutsche über. Sie ist uns nicht vollständig erhalten. Von Till Eulenspiegel besitzt die Münchener Staatsbibliothek einen jüdischdeutschen Codex mit deutlich bayrischem Dialekt; im wesentlichen in reinem Deutsch und einigen hebräischen Namen, die aber hier auch nicht in der üblichen hebräischen Form geschrieben sind, sondern nach deutscher Art nur mit hebräischen Buchstaben. Auch in Breslau erschien ohne Jahresangabe in hebräischen Lettern ein Till Eulenspiegel mit dem Zusatz ,,gedruckt in diesem Jahr, wo das Bier teuer wär‘c. Die Geschichte der Schildbürger tauchte wohl um das Jahr 1700 das erste Mal in jüdisch-deutscher Form auf. Der Gebrauch hebräischer Worte ist ungleichmäßig. Bei dieser Erzählung kann man wie bei vielen anderen ein besonderes Streben zu sittlich reiner Darstellung feststellen. Auch die Erzählung von Preziosa, die durch Karl Maria von Webers gleichnamige Oper, für die Pius Alexander Wolf den Text geschrieben hat, bekannt geworden ist, hat eine jüdische Bearbeitung gefunden. Auf die Bearbeitung von Boccaccios Dekamerone wiesen wir bereits hin. Hier setzte sich der Verfasser eingehend mit der Schwierigkeit auseinander, welche Sprache er wählen solle: ״Es ist unmöglicn, daß wir das Teutsch vor ein jeder man teutüch genug können beschreiben, denn ein jetliche מדעה (Gegend) hat ein besonder teutsch לשון (Sprache).“ An letzter Stelle behandelt der Verf. noch die schöne Geschichte mit den vier Händlern von Prag. Mit der gesamten Untersuchung hat der Verf. nicht nur der jüdischen Wissenschaft, sondern auch der Germanistik einen erheblichen Dienst erwiesen. Er zeigt deutlich, wie früh bereits die Berührungen mit dem Volksleben der Umweit einsetzte und wie das deutsche Judentum schon Jahrhunderte vor der sogenannten Emanzipation am Geistesleben des Landes teilnahm und dieselben Dinge las, mit denen man auch sonst seine Mußestunden füllte. Die Untersuchung ist sorgsam auf der Kenntnis der Quellen und Handschriften aufgebaut und wird noch die Möglichkeit zu weiteren ähnlichen Forschungen geben, vor allem auch nach der sprachlichen Seite. Breslau. Willy Cohn. Karl Vorländer: Karl Marx. Sein Leben und sein Werk. Verlag Felix Meiner, Leipzig, 1929, VII, 334 Seiten. Mit 15 Bildtafeln, geheftet Mk. 10,—, in Ganzleinen Mk. 12,—. Die Beschäftigung mit Karl Marx ist auch für die jüdische Wissenschaft durchaus notwendig. Es fehlt noch an einer sachlichen Darstellung, die die tieferen Zusammenhänge zwischen Marxismus, Sozialismus und den Lehren des Judentums aufzuzeigen hätte. Manches, was über dieses Thema bereits geschrieben ist, hat apologetischen Charakter und kommt infolgedessen für sachliche Erkenntnis nicht in Frage. Die Literatur über Karl Marx, die sachlich bedeutsam ist, ist in den letzten Jahren erheblich angewachsen. Aus ihr seien etwa genannt: Robert Wilbrandt': Der Sozialismus, 1921; Heinrich Cunow: Die Marxsche Geschichts- Gesellschafts- und Staatstheorie, 2 Bde., 1921; Bucharin: Theorie des historischen Materialismus, 1922; Karl Kautsky: Die materialistische Ge- Schichtsauffassung, 2 Bde., 1927 und schließlich die beiden letzten wesentlicheren Erscheinungen vor dem vorliegenden Buch: Otto Rühle: Karl Marx, 1928, sowie Bernhard Shaw: Wegweiser für die intelligente Frau zum Sozialismus, 1928. Wenn nun Karl Vorländer, der vor allem durch seine Forschungen über Kant einen außerordentlich bedeutsamen Namen sich errungen hat, an diese Aufgabe herantritt, so ist er für sie durchaus gerüstet. Er bringt auf der einen Seite die philosophische Schulung, das nationalökonomische Wissen, aber auf der anderen Seite auch den Willen mit, in die Gedankenwelt des größten Denkers des 19. Jahrhunderts sich hineinzuleben. Der Aufbau des Buches, das nunmehr als grundlegend, vielleicht bis zu einem gewissen Grade als abschließend anzuseben ist — benutzte ja der Verf. auch bereits die reichen Sammlungen des Marx-Engels-Instituts in Moskau, dessen große Marxausgabe im Erscheinen begriffen 4st — schließt «ich den Lebensepochen^von Karl Marx an. Im ersten Teil behandelt der

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