Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 498 (sequence 2)
- Language
- German
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498 versteigerte Handschrift (Cat. S. 6 Nr. 43), die jetzt im Besitze von David, Sassoon ist. Dieses MS. ist viel jünger als der Katalog angibt und wie ich der Belehrung Landauers zu dem als Faksimile beigegebenem Blatte (Jeremia ll20u. f.) verdanke, sehr fehlerhaft. Außer der Aufzählung von ’Raschihandschriften in Zunz’ Artikel über Salomon ben Isaak in seiner Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums (Berlin 1923) S. 350 ff., haben wir die von Maarsen erwähnte A. Darmsteters in seinem Loazim in der Revue des Etudes juives Vol. 53—56. Man wird bei näherer Untersuchung zugeben, daß Maarsen wohl die wichtigsten Hss. bei seiner Ausgabe zugezogen hat. Auf eine alte Handschrift der Wiener Nationalbibliothek, nach A. Z. Schwarz (Die hebräischen Handschriften der Nationalbibliothek in Wien. Wien 1925 Nr. 23 S. 28—29) dem 13. bis 14. Jahrhundert zugehörig, möchte ich jedoch noch hinweisen. Nach philologischer Methode, durch Vergleichung bestimmter Fehler und Zusätze gibt Maarsen ein Stemma der verschiedenen von ihm benutzten Handschriften. Ueber die spätere Fortentwicklung des Textes in den Druckausgaben spricht er nicht. Es wäre wohl interessant festzustellen, wann und wie eine Anzahl späterer Glossen in unseren Ausgaben entstanden. Wohl berührt er noch eine Anzahl anderer Punkte in seiner Arbeit, Abweichungen des Masorahtextes bei Raschi, Superkommentare, Loazim u. ä. Die Hauptfrage aber, ob es richtig ist, als Text der Ausgabe eine bestimmte Handschrift bzw. einen Frühdruck, in diesem Falle wie bei der Probe die Erst-Ausgabe, zu nehmen oder eklektisch, nach persönlicher Einsicht des Herausgebers, einen Text aus den verschiedenen Handschriften zusammenzustellen, ist nicht behandelt. Wir werden wohl hierüber in der Einleitung zur Ausgabe selbst belehrt werden. Persönlich glaube ich, daß wir in der wissenschaftlichen Edierung hebräischer Texte noch nicht so weit sind, die eklektische Methode anzuwenden. Berliner folgte ihr bei seinen beiden Raschi- Ausgaben zum Pentateuch. Es ist ein ganz subjektives Verfahren, bei der zweiten noch mehr als in der ersten. Seine Kollation der Handschriften und Ausgaben war sehr flüchtig, so daß man seinen Editionen einen praktischen, aber keinen wissenschaftlichen Wert zuerkennen kann. Bei zahlreichen Lesarten weiß man nicht, woher sie kommen, und viele bessere Lesearten werden nicht vermerkt. Doch darf man eines nicht vergessen. Auch der Raschikommentar wurde, wie alle vielstudierte hebräische Texte, sowohl von den Schreibern, als später von den Herausgebern resp. Druckern mit großer Freiheit abgeschrieben resp. gedruckt. Worte und ganze Sätze, die man nicht begriff, änderte man, und ohne jeden Skrupel fügte man Worte ein, gab andere Beispiele als die in der Vorlage genannten und dergleichen mehr. Dadurch kommt es, daß bei hebräischen Texten, von denen mehrere Handschriften oder Frühdrucke aus MSS existieren, noch ganz abgesehen von den mit großer Freiheit gemachten Zitaten in anderen Werken, solche Unzahl von Varianten Vorkommen. Und in manchen, gar nicht so seltenen Fällen sind sämtliche LeseaHen Verschlimmbesserungen des ursprünglichen Textes. Auch aus der Probeausgabe von Raschi zu Joel wären schon Exempel anzuführen (z. B. ad 120; 28). Hierbei gilt dann Richard Bentleys Ausspruch in seinem Horaz־ Kommentar: Nobis et ratio et res ipsa centum codicibus potiores sunt. Aus all diesem ist wohl ersichtlich, welche Anforderungen man an eine Editio critica eines hebräischen Textes in modern wissenschaftlichem Sinne zu stellen berechtigt ist. Wir hoffen, daß Maarsen, der trotz der vielen Berufspflichten des Oberrabbinates in der holländischen Residenzstadt, schon viel wissenschaftliches Verständnis gezeigt, diese vorgenommene Raschiausgabe in absehbarer Zeit herausbringen möge. Sigmund Seeligmann. Kroner«, Rabbiner Dr. H., Der medizinische Schwanengesang des Maimonides. . Janus, Archives internationales pour PHistoire de la Mödecine et la Göographie Mödicale. 32me Annee. 1928. S. 12—118. Kroner bietet in seiner neuen, sehr dankenswerten Arbeit Text und Uebersetzung der Abhandlung Maimünis ,,über die Erklärung der Zufälle“. Die Abhandlung, eine spezielle Diätetik für den Sultan el-Afdal, setzt Kroner in das Jahr 1200. Die sorgfältige und wohlwollende Anweisung zur richtigen Lebensführung hat das Leben des Klienten nicht verlängern können. Auch Maimüni, der in der Schrift über die Abnahme der eigenen Kräfte klagt,: hat