Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Eine mißverstandene Midraschstelle
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 478 (sequence 2)
- Language
- German
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478 Reihe, welche ־am den angegebenen Platz herumlief — mannshoch und noch darüber hinaus, nämlich um soviel als etwa emporgestreckte Arme über den Kopf eines aufrechtstehenden Menschen hinausreichen, — aber die Leichen selbstredend in liegender Haltung. ,,Melo qoma . . . " bedeutet hier also demnach die ein dimensionale H ö h e n maßangabe der Leichenwand, d. h. der aus übereinander entsprechend geschichteten liegenden Leichen gebildeten Weingarten- ,/mauer“. Zu Aptowitzers ״Parteipolitik der Hasmonäerzeit“. Die Erwiderung des Herrn Verfassers S. 403 ff. hat mein Urteil über sein Buch nicht erschüttert. Der Nachweis, daß ich die Untersuchung nicht mit der nötigen Gründlichkeit und Sorgfalt geführt hätte, ist nicht geliefert. Herr Aptowitzer hebt etwa 19 Punkte hervor, ohne die wichtigsten Angriffspunkte zu berühren. Ich antworte Punkt für Punkt. 1. Die schweren Vorwürfe gegen biblische Personen gehen größtenteils auf Anstöße zurück, die in der Bibel selbst zu lesen sind. Solche Vorwürfe sind in der Agadä nicht selten, sie beschränken sich keineswegs auf Levi, Juda und David. So gibt es Agadoth, die an den Patriarchen Fehler auszusetzen haben. R. Meir läßt Gott Abraham, Isaak und Jakob tadeln: אברהם ישלי עליו שאמר במה אדע, יצחק ישלי עליו שהיה אוהב לעשו ואני שנאתיו, יעקב שאבר נסתרה דרבי מה׳ (Gant. r. 1, 2; Eccl. r. 4, 2) R. Abba b. Kahana sagt: עד שלשה דורות לא פסקה .ווהמא מאבותינו אברהם הוליד את •ישמעאל יצחק: הוליד את עשו. Ein Anonymus lehrt: בא אברהם אמרו לו זה הוא, אמר להם זה גר הוא, בא יצחק אמרו לו זה הוא, אמד להם זה אוהב■ את שונאי (Tanh. Buber III 72 f.). Aber auch im einzelnen werden Verunglimpfungen gegen die Patriarchen geäußert. Die Lehrer des dritten Jahrhunderts, wie R. Eleazar b. Pedath, R. Samuel b. Nahmani und R. Jochanan, versuchen die Sünde Abrahams zu entdecken, derentwegen seine Nachkommen 210 Jahre in Aegypten unterjocht worden sind. Die ,,Verunglimpfungen“ sind verschiedener Art und widerspiegeln gewiß eher die Zustände des dritten Jahrhunderts, als die der Zeit Abrahams. R. Eleazar b. Pedath wirft Abraham vor, daß er die Talmide Hakamim zum Frondienst gezwungen hat (b. Ned. 32a). Diese Behauptung ist gewiß schwerwiegender als so manche angebliche hasm. oder antihasm. Beschuldigung; vielleicht hat der Agadist einen Abraham im Auge, der die Gelehrten in Tiberias zum Frondienst, zur zwang, ein Uebel, das aus der Wirtschaftsgeschichte des dritten Jahrhunderts wohl erklärlich ist. R. Samuel b. Nahmani klagt, daß er הפריז על מדותיו של הקב״ה, d. 11. daß er sich zu viel gegen Gott erlaubte, was mit R. Meirs und des Anonymus Tadel (s. oben) übereinstimmt. R. Jochanan wirft ihm vor, daß er keine Proselyten machte. R. Jehuda bar Iiai, der nach Herrn Aptowitzer soviel Hasmonäerpolitik aufbewahrt, weiß von Abraham zu sagen, daß er mit Verkehrtheit, Tücke (עקמכות) vor Gott kam (Lev. r. 11, 5; Midr. Psalmen ed. Buber S. 149). R. Nehemia findet denselben Fehler bei Moses (ibid.), über den noch weiter unten. Jakob fährt nicht besser als sein Großvater, obzwar er in den obigen Agadoth über Abraham und Isaak gestellt wird. R. Abba Kohen ברדלא sagt, daß es Jakobs Schuld gewesen sei, daß Dina fehlgegangen ist, denn es wäre besser gewesen, wenn Esaü sie geheiratet hätte (Gen. r. 76, 9; vgl. auch ed. Theodor 907 f.). Der Tradent des obigen Satzes R. Huna bringt noch eine andere Agada im Namen des R. Simon ben Lakisch, die Jakob tadelt, weil er von selbst eine Würde an sich gerissen hätte (Gen. r. 79, 9, ed. Theodor, S. 950). R. Levi tadelt Jakob, daß er sein Gelübde nicht von selbst erfüllte, sondern erst Gottes Mahnung abwartete (Gen. r. 81,2 ed. Theodor, S. 972). Mit ähnlichen ,,Verunglimpf ungen“ ist die Midraschliteratur reichlich versehen, die hier nicht aufgezählt werden können. Dasselbe gilt von den Agadoth über Joseph, Moses, Lea, Rachel, Samuel, Saul, Elimelech und Hesekiel, die man bei Wohlgemuth, Zur Charakteristik des Sündenbewußtseins im talmudischen Judentum, in der Festschrift zum 50 jährigen Bestehen des Rabbinerseminars zu Beidin, Han-