Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die fünfundsechzig Jahre in der Weissagung über Ephraim Jes 7, 7-9
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 472 (sequence 2)
- Language
- German
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472 Und hätte er es getan, wie konnte er von Achas oder von einem andern Sterblichen blinden ״Glauben“ für etwas in so weiter Ferne, nach seinem Tode, zu Geschehendes verlangen, wobei noch das zu Glaubende nicht einmal etwas Trostreiches, sondern der Unter-; gang des eigenen Volkes wäre! Eine sonderbare Ermutigung für den König von Juda gegenüber der von der Koalition drohenden Gefahr. Schließlich war Ephraim doch ein Teil Gesamt-Israels. . Geht man davon aus, daß der Prophet nur etwas Vernünftiges und Verständliches sagen konnte, so scheint mir die folgende Erklärung die einzig mögliche zu sein. Dem wegen der Vereinigung der Syrer mit den Ephraimiten schwer beunruhigten König Achas will er auf Grund seiner besseren Kenntnis der politischen Lage die Beruhigung geben, daß aus der K o a 1 i t i o n n i c h t s werden wird. Warum? Weil genau vor 6 5 Jahren die Hauptstadt der Syrer, Damaskus, von Jerobeam II. dem Reiche Israel einverleibt worden war. Die Zeiten haben sich zwar geändert, aber noch nach 65 Jahren wird Ephraim (als ehemaliger Eroberer von Damaskus) sich fürchten (HIT) vor dem zeitweilig unterworfen gewesenen Volke! Die Zahl der Jahre ergibt sich dadurch, daß Jothain vor Achas 16 Jahre, vorher Usia 52 Jahre regiert hat, das sind 68 Jahre. Usia war aber im 27. Jahre des Jerobeam (II Kön 15!) auf den Thron gekommen, der 41 Jahre regiert hat. Die (ib, 1428) erzählte Eroberung von Damaskus muß sonach etwa im 30. Jahre Jerobeams, 3 Jahre nach Usias Regierungsantritt stattgefunden haben. Jesajas rein politische Bemerkung ist sonach retrospektivובצור ששים וחמש שנה ist soviel wie וצוד בששים וחמש שנה noch nach 65 Jahren — kann kein Vertrauen zwischen diesen Bundesgenossen bestehen, da die Erinnerung an die Annexion und Knechtung noch lebhaft ist, und ״w o kein V e r t rauen ist, wird keine Treue gehalten“, das ist der Sinn der hier zitierten a llgemeinen (gar nicht auf Achas bezüglichen) Sentenz: אם לא תאמינו כי לא תאמנו (zu תאמנו vgl. נאמן). Das darauf folgende ״Zeichen“, das Ermutigung und Hoffnung erwecken soll, hat nichts mit V. 79—־ zu tun. Ueber Reste der palästinischen Vokalisation in Gebetbüchern. Von Arthur Spanier in Berlin. Durch die Forschungen von Wutz und Kahle ist die Frage des ״vormasoretischen Hebräisch“ aktuell geworden. Die genannten Gelehrten haben mit besonderem Nachdruck darauf hingewiesen, daß noch andere Ueberlieferungen für die Vokalisation bzw. die Vokalaussprache des Hebräischen existieren, als die in dem kanonisch gewordenen sogenannten tiberischen Punktationssystem niedergelegte. Kahle stützt sich dabei hauptsächlich auf die ״palästinischen“ und ״babylonischen“ Punktationssysteme, Wutz auf die Transkriptionen in der Septuaginta, in der Hexapla, bei Hieronymus usw. In Kahies