Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 421 (sequence 2)
- Language
- German
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421 bis zur Errichtung des ersten Tempels, der Dauer des Bestandes des 1. Heiligtums, des babylonischen Exils und endlich des Bestehens des 2. Heiligtums zu dem Ergebnis, daß hier keine chronolo gis che, sondern eine ideale Zählung vorliegt. Begriffe, wie קלקול החשבונות werden für diese Auffassung nutzbar gemacht. Der Verfasser nimmt dieses Problem als Paradigma für Erörterung wissenschaftlicher Probleme im Widerstreite mit der Tradition. Die Weltschöpfungsära empfängt ihren Wert nicht durch die wissenschaftliche Zuverlässigkeit, sondern durch den religiösen Charakter: sie wurde durch die Autorität des Gesamtwillens Israels geschaffen. Hierdurch ist unsere Zählung unabhängig von den wechselnden Anschauungen der Wissenschaften über das Alter der .Erde usw. Andererseits dürfen wir aussprechen, daß die Chronologie des Talmud nicht beanspruchen kann, die wirkliche -Dauer der Schöpfungsära durch unsere Zeitrechnung zu umspannen; diese Erkenntnis ist allerdings erst spät gereift. Im einzelnen legt K. dar, wo sich deutlich erweist, wie unsere Zeitrechnung gar nicht eine exakte Cnronologie anstrebt. Vermutlich sind die Geschlechtsregister im ersten Zeitabschnitt gekürzt, ferner dürfte es im Geiste der Ueberlieferung sein, den ersten 2448 Jahren (bis zum Auszug aus Aegypten) eine Sonderstellung anzuweisen; denn die Pessikta (ed. Buber 43b) läßt Gott selbst in dieser Zeit Neumondfestsetzungen usw. vornehmen, während das später Israel überantwortet wurde. Kritisch wäre zu bemerken, daß der Verfasser E. Baneth (S. 28) botr. der Auffassung, die Maimonides über unsere Kalenderberechnung in R. Kiddusch ha-Chodesch V 2 vertritt, wohl mißverstanden hat. — Was nun die zusammenfassenden Sätze betrifft, so scheint mir das Ergebnis: ,,indem wir 5688 Jahre nach Erschaffung der Welt zählen, bekennen wir uns zu der auf den überlieferten Urkunden Israels beruhenden Wahrheit des Judentums, daß die Welt von einem allmächtigen Schöpfer, der erhaben ist über Raum und Zeit, nach seinem Willen geschaffen wurde und einen zeitlichen Anfang hat, dessen Ausdruck die mit Zeitrechnungen der überlieferten Urkunden Israels zusammenhängende Jahreszahl 5688 ist“, in der Fassung reichlich pathetisch, wenn auch das Richtige treffend. Oskar Wolfsberg. Bficherschau Bemerkungen vom Herausgeber. Hans Bauer und Pontus Leander, Kurzgefaßte biblisch-aramäische Grammatik, mit Texten und Glossar, Halle (Saale), Verlag Max Niemeyer, 1929, 81 S., kart. 4,40 Mk. 36 Seiten sind der Grammatik gewidmet, 12 Seiten den Paradigmen; angefügt sind sämtliche aramäische Stücke der Bibel mit Glossar. Selbstverständlich verweisen die Verfasser häufig auf ihre (Jahrgang 1928, S. 628, besprochene) ausführliche Grammatik des Biblisch- Aramäischen sowie auf ihre Historische Grammatik der hebräischen Sprache (1922). Wenn sich auch das Buch in den engen Grenzen hält, die ihm durch die unterrichtliche Verwendung gezogen sind, so enthalten doch insbesondere die Anmerkungen zu den Texten (z. B. Dan 525) manches wissenschaftlich Wertvolle. Zweckmäßig wäre es wohl, wenn die ,,ausgewählten Sätze aus der Lautlehre“ (§3) durch - Vorverweisung auf die folgende Formenlehre anschaulicher und für Zusammenfassungen brauchbarer gemacht würden. Jehudo Epstein, Mein Weg von Ost nach West, Stuttgart, Engelhorn, 1929, 342 S. Besonders reiz- und wertvoll an diesen Erinnerungen des bekannten Wiener Malers ist die Schilderung der Jugendzeit im Ghetto. Wiewohl schon früh von jüdischer Gesetzlichkeit gelöst und als Jüngling manchmal durch den ■Widerstand der Ghettofrömmigkeit gegen seine künstlerische Ausbildung erbittert, steht E. dem Judentum seiner Eltern durchaus imbefangen gegenüber und weiß das Ghettoleben, wenn auch nicht ohne Ungenauigkeiten im einzelnen, so doch anschaulich mit seltener Schlichtheit darzustellen. I. Heinemann, Antisemitismus, Sonderabdruck aus Pauly-Wissowa-Kroll R,eal־Encyclopädie der classischen Altertumswissenschaft, Supplement V,