Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 420 (sequence 2)
- Language
- German
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420 durch den folgenden Teil nur verstärkt wird, daß das Judentum an der anderen •Religion nur die Schwächen sehe, nicht noch gefährlicher als beim Griechentum? Neben diesem Mangel des Werkes sagt es wenig, daß auch die Auseinander- Setzung des Judentums mit dem Islam, dem astrologischen Fatalismus des Mittelalters, dem Deismus der Neuzeit keine Berücksichtigung findet. Den Kern des Buches, über 270 Seiten, bildet die Behandlung der Abweichungen des dogmatischen Christentums vom Judentum. Eingehende Belege werden für den Inhalt der Dogmen, den Inhalt der Sittlichkeitslehre, die Stellung des Einzelnen zur Glaubenslehre, Eigentümlichkeiten des Gottesdienstes, Verfassung der Gemeinde im Innern, die Gemeinde ,,im Verhältnis nach außen“ (so!) dargeboten, stets so, daß der Anschauung des dogmatischen Christentums die des Judentums gegenübergestellt wird; zum Teil konnte auf die Behandlung der jüdischen Lehre in den früheren Bänden verwiesen werden. Die Gefahr der Einseitigkeit ist bei solchen Gegenüberstellungen natürlich groß; und sie ist nicht überall vermieden worden; man vergleiche nur einen Satz wie S. 173: ,,Erst im liberalen Protestantismus der Gegenwart werden Wirtschaft, Staat, Politik, Wissenschaft und Kunst positiv gewertet“ mit den viel behutsameren Darlegungen S. 444. Entschiedene Verwahrung ist auch erforderlich, wenn für die Auffassung der religiösen Selbständigkeit der Gemeinde in dem Sinn, daß sie ohne Zustimmung des Rabbiners religiöse Neuerungen einführen dürfe, ein Ausspruch Samson Raphael Hirschs zitiert wird, der von dieser Auffassung meilenweit entfernt war,, und vollends im Zusammenhänge mit der Forderung der Rabbiner nach Anhörung bei gottesdienstlichen Neueinrichtungen von ,,hierarchischen Einwirkungen“ gesprochen wird (S. 240). Aber es soll gern anerkannt werden,• daß dieser Hauptteil des Buches insbesondere dem Lehrer eine reichliche Fülle von Vergleichsstoff bietet und daß den beiden Arbeiten über die Gemeindeverfassung (S. 233 ff.) über den nächsten, systematischen Zweck hinaus historischer Wert zukommt. Am gelungensten scheint mir der Schlußteil. Er erläutert zunächst die jüdische Propaganda vor und nach der Verbreitung des Christentums : vielleicht hätte erwogen werden sollen, ob es die jüdische Heidenmission auf die Werbung von Vollproselyten oder, wie neuerdings bekanntlich M. Guttmann wahrscheinlich gemacht hat, nur auf die Verbreitung der ,,noachidischen Gebote“ abgesehen hatte. Sodann werden jüdische Einflüsse auf den Islam und die Wirkungen der jüdischen auf die christliche Scholastik von Fachgelehrten sachkundig und eingehend dargestellt. Die Entlehnungen der christlichen Religion vom Judentum (Gottesvorstellung, Bibel, Feste, Gottesdienst) werden gewürdigt und endlich in sehr sorgfältig durchdachter Darstellung der Einfluß des Judentums auf die Neuzeit abgewogen, insbesondere versucht, zwischen dem Einfluß des jüdischen Geistes, also der religiös-sittlichen Ideenwelt des Judentums, und den Wirkungen mancher uns geschichtlich an erzogenen oder aufgezwungenen, aber dem Judentum als Idee wesensfremden Eigenart zu scheiden. Der Nachweis der Wirkung, die der Geist der Bibel insbesondere auf das soziale Denken der Neuzeit ausgeübt hat, verleiht der Darstellung der jüdischen Ideenwelt der ersten vier Bände erhöhte Bedeutung. Eine Neuauflage wird für diesen Teil die inzwischen erschienene Arbeit von A. Lewkowitz, Das Judentum und die geistigen Strömungen der Neuzeit, I und II, 1929, zur Ergänzung heran ziehen. Der Druck ist korrekt; nur S. 367 ist koranisch statt koreanisch zu lesen; S. 342 ist, vielleicht durch Wegfall einer Zeile, Pomponia Graecina zur Gemahlin Neros gemacht worden. Trotz einzelner Wünsche wird man zusammenfassend urteilen dürfen, daß das nunmehr abgeschlossene Sammelwerk eine höchst nützliche, ja, kaum entbehrliche Fundgrube von Belegen für jeden bildet, der als Lehrer, Redner oder Schriftsteller das Judentum darzustellen hat. Heinemann. Br. S. Kaatz, Weitschöpfungsära und Wissenschaft, Berlin, Verlag M. Poppelauer, 1928. Kaatz prüft mit Gründlichkeit die Chronologie der traditionellen Zeitrechnung und kommt nach näherer Untersuchung der fünf Hauptabschnitte: von der Erschaffung der Welt bis zum Auszug aus Aegypten, vom Auszug