Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 419 (sequence 2)
- Language
- German
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419 Aufschwung nahm« Die Seele des Geschäfts blieb Jonas, die Bedeutung des Handelshauses fand in dem ihm verliehenen Prädikat eines Königl. Com. Rat Ausdruck. Trotz ihrer Glücksgüter führten beide in äußerster Anspruchs־ losigkeit ein fest puritanisches Leben, um in so reicherem Maße die Nöte der Glaubensbrü'ler zu lindern. Der von Jonas Fränckel gefaßte Plan, den größeren Teil des Vermögens öffentlichen , Wohlfahrtsbestrebungen zuzuführen, wurde in einem gemeinschaftlichen Testament zugunsten eines jüdischen Hospitals verwirklicht und nach dem Tode des Bruders in erweiterter Form ausgeführt. Den Bestimmungen über das Seminar widmet Rabin eine besonders eingehende Behandlung. Aus ihr wird der positive Charakter dieser Lehrstätte im Sinne des Gründers, der in den radikalen Reformideen Geigers den Zerfall des Judentums erblickte, klar ersichtlich. Jonas Fränckel hat sich durch seine wahrhaft großzügige Wohltätigkeit, die auch den anderen Konfessionen zugute kam, weit über die Grenzen seiner Vaterstadt, die seinen Namen in dem ,,Fränckelplatz“ verewigte, ein Ehrendenkmal errichtet, das die Zeit überdauert. Man wird Rabin Dank wissen, daß er in dieser lebenswahren Biograpnie das Gedenken an Jonas Fränckel der Mit- und Nachwelt gesichert hat. Breslau. Michael Fraenkel. Die Lehren des Judentums nach den Quellen. Herausgegeben vom Verband der deutschen Juden. V. Teil: Judentum und Umwelt, bearbeitet von F. Bamberger. Leipzig, Gustav Engel, 0. J. (1929). 503 S. Preis 7.50 Mk., für Mitglieder der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums 5 Mk. Mit dem vorliegenden Bande erreicht das Sammelwerk, dessen erste vier Bände Jahrgang 1925, 113 ff. besprochen wurden, seinen Abschluß. Beiträge haben geliefert: L. Baeck, F. Bamberger, M. Dienemann, I. Elbogen, E. Gärtner, J. Guttmann, M. Holzman, J. Lewkowitz, F. Makower, S. Pick, H. Speyer, M. Wiener. Die Zusammenstellung der Beiträge besorgte F. Bamberger; auch das eingehende, 33 Petitseiten umfassende Register für diesen Band hat er angefertigt. Wie der Titel aüfgefaßt wird, zeigen die Ueberschriften der Abschnitte: Abwehr fremder Anschauungen, Abweichungen der christlichen Religionen vom Judentum, Einfluß des Judentums auf die Weltpolitik. Es soll also die subjektive Anschauung des Judentums über die Kultur der Umwelt, sein inneres Verhältnis zu ihr und seine Wirkung auf sie dargestellt werden. Die nähere Ausführung entspricht dieser Idee nicht ganz; das Buch bietet mehr und weniger als zu erwarten. Der erste Abschnitt gliedert sich in die Unterteile: Ausscheidung heidnischer Vorstellungen (Babylonier, Assyrer, Aegypter, Kanaaniter); Abwehr des griechischen Einflusses; Auseinandersetzung mit dem entstehenden Christentum; die Pharisäer (was der letzte Abschnitt in diesem Zusammenhänge soll, ist nicht recht klar). Von der Beurteilung der Außenwelt durch das Judentum gewinnt man also durchaus kein allseitiges Bild; zwar.hebt der erste Beitrag nicht nur die abstoßenden, sondern auch die anziehenden Wirkungen der heidnischen Umwelt anschaulich hervor; dagegen verschweigt der zweite (nach einer nicht gerade tiefgehenden Einleitung) die günstigen Urteile über den Hellenismus, die im rabbinischen Judentum, geschweige in dem der Diaspora, nicht fehlen, und leistet dadurch einer Vorstellung vom fanatischen Abschluß der Juden Vorschub, die weder geschichtlich begründet ist, noch dem Judentum gerecht wird. Nicht minder bedauerlich ist, daß die Behandlung der Stellung des Judentums zu anderen Religionen mit dem Altertum einfach abschließt.. Zwar hören wir iri einem späteren Abschnitt S. 105 f. auf einer knappen Seite von der Polemik des Mittelalters gegen die. Trinitätslehre. Aber abgesehen davon, daß man bei so knapper Fassung nicht einmal vom mittelalterlichen Denken eine rechte Vorstellung gewinnt und daß in den Quellenbelegen die anerkennenden Urteile anscheinend fehlen, warum weicht man von dem Plane der ersten vier Bände ab und läßt die ganze Auseinandersetzung des neuzeitlichen Judentums seit ח,רק אמרנה und Mendelssohn mit dem Christentum und der Person Jesu unter den Tisch fallen? Haben wir uns etwa des redlichen Ringens jüdischer Gelehrter um eine unbefangene, wenn auch natürlich nicht unkritische Würdigung des Menschen und Juden. Jesus von Nazareth: zu schämen? Und ist der Eindruck, der auch hier erweckt und