Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Das jüdische Prag der Gegenwart in Zahlen
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 14)
- Language
- German
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363 Die Berufsstatistik verliert dadurch an Bedeutung, daß die Berufsgliederung der Israeliten Prags aus der früheren Zeit nicht verfolgbar ist. Ein Vergleich zwischen der Berufsschichtung dieser und der heutigen Zeit wäre sicherlich interessant. 46,6% der Israeliten leben vom Handel. Sie betätigen sich hauptsächlich in den Hilfsgewerben des Handels, als Kommissionäre und Agenten, welche Berufe auch mehr als 1/4 (28%) israelitischer Beteiligung aufweisen, obwohl die Israeliten Prags nur 1/20 der Bevölkerung bilden. Vom Warenhandel nehmen sie 15,2% in Anspruch, vom Geldwesen 9,1%. Die Teilnahme der Israeliten am Hausier- und Marktfahrhandel ist geringer, als ihrem Verhältnis zur nichtjüdischen Bevölkerung entspräche (6%). Ebensowenig Juden widmen sich dem Gastgewerbe und der Schankwirtschaft, was wahrscheinlich ,,auf die Animosität weiter Volkskreise gegen die Juden zurückzuführen ist“ (Dr. Bohäc in ,,Hlavni Mesto Praha“)1. In diesen Berufszweigen bilden sie nur 1%. 1/10 der Israeliten lebt vom Vermögen als Privatiers oder Rentiers. Ihnen folgen die Studenten. Von 1000 Personen ohne Beruf sind 100 Israeliten, von 1000 nicht bei den Eltern lebenden Schülern 114; auch in den Erziehungsanstalten ist das Judentum etwas stärker vertreten, als der Proportion entspricht (5,5%). Von den freien Berufen wählen die Israeliten hauptsächlich Advokatur und Notariatswesen. ,Unter den Angehörigen dieser Berufe befinden sich 22% aller tätigen Israeliten, im Gesundheitswesen dagegen nur 8,4%, und zwar meist Aerzte, weniger im subalternen Dienst Tätige. Die sehr geringe Anteilnahme am Staatsdienst ־ ist offenbar eine Folge der österreichischen Verwaltungspolitik, Israeliten in den Staatsdienst nicht aufzunehmen, von der sich auch der tschechische Verwaltungsapparat scheinbar noch nicht befreit hat. Sicherheits- und Gendarmeriedienst sind fast judenrein. Im Staats- und öffentlichen Dienste, im Eisenbahn-, Post-, Telegraph- und Telephonwesen gibt es 0,7%, beim Militär 0,8%, im Schulwesen 1,7% Israeliten. 0,8% sind Hausgehilfinnen und 0,4% Taglöhner. Von Israeliten sind in der Industrie, die 2/5 der Prager Bevölkerung beschäftigt, nur 5/ב beschäftigt. Einzelne Zweige, besonders in bezug auf ihre selbständigen Unternehmer, weisen eine größere Beteiligung auf. Die chemische Industrie zeigt 7,3% jüdischen Anteils, Textilindustrie 7,2%, Lederindustrie 6%, Papierindustrie 4,2%. Gering ist der Anteil der Israeliten an der Bauindustrie (0,7%), Stein- und Baumaterialienindustrie (0,7%), Polygraphische und Kunstindustrie (1,1%), Metallindustrie (1,4%), Holzindustrie (1,4%). Gaswerke, Elektrizitäts- und Wasserwerke Prags sind ebenfalls fast vollkommen judenrein. Unter den Israeliten gibt es fast zweimal soviel selbständige Unternehmer als Arbeiter, während in der nicht jüdischen Bevölkerung 372 mal weniger Unternehmer als Arbeiter sind. Bei den Israeliten bilden Arbeiter, Lehrlinge und Taglöhner zusammen 1]5 aller Berufs- 1 Das wichtigste Material der vorliegenden Untersuchung ist dieser *ausgezeichneten Studie entnommen. 24*