Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zu S. 157 [Nachricht]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 244 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu Seite 157. Der Schluß der Antwort des Herrn Dr. Albeck ist dadurch etwas schwer verständlich geworden, daß Herr Professor Holtzmann den Schlußsatz seiner Entgegnung nachträglicli gestrichen hatte. In diesem Satz war ausgesprochen worden, daß zur Erforschung der Mischna’mehr gehöre als die Fälligkeit, rabbinisehe Texte zu lesen. Besprechungen Aptowitzer, V.s Parteipolitik der Hasmonaerzeit im Rabbinischen und Pseudoepigraphischen Schrifttum. Wien 1927, Verlag der Kohut Foundation, . XXX -b 326 s. , Es kann .nicht oft genug betont werden, daß die richtige Erforschung und Erklärung der ältxabbini&chen Quellen, Talmud und Midrasch, Halacha und Agäda, von der Erkenntnis des philologischen, literarhistorischen, politischen, religionsgeschichtlichen, juristischen und kulturellen Hintergrundes dieser Schriften abhängt. Auf dieser methodischen Erkenntnis beruht auch Aptowitzers Buch. Er versucht in halachischen und agadischen Stellen der altrabbinischen Literatur Reste von pro- und antihasmonäischer Parteipolitik zu suchen und finden. Die pseudoepigraphische Literatur wird auch sehr häufig herangezogen, um Stimmen und Stimmungen, Politik und Intriguen, Verdächtigungen und Verunglimpfungen der Gegner seitens der Politiker und Parteiführer herauszuholen— oder in sie hineinzulesen. Verfasser setzt voraus, daß es eine hasmonäische und eine antihasmonäische Politik gegeben habe; ja, es stellt diesen׳ parteipolitischen Gegensatz als historisch hin (S. X). Die Theorie haben schon Geiger, Salomon Fränkel, Weiß und andere mit mehr oder weniger Ernst vertreten; Aptowitzer kritisiert die Angaben seiner Vorgänger und führt sie niit neuem Material durch; er bringt aus allen Ecken und Enden des rabbinischen und pseudoepigraphischen Schrifttums Halachoth und.Agadoth herbei, aus denen er sein großes Gebäude auftürmt. Was von diesem Gebäude vor der Kritik bestehen kann, soll in den folgenden Zeilen gezeigt werden.; Das erste Kapitel handelt vom Protest gegen das hasmonäische Priestertum unter verschiedenen Gesichtspunkten. Die Salbung des Hohenpriesters, der Kriegs gesalbte (im folgenden — Kgs.) und das Priestertum des Pinchas. Es gibt im rabbinischen Schrifttum zwei Berichte über die Salbung der Hohenpriester. Nach einer Barajta wurden alle Hohenpriester gesalbt, während eine andere B. dem widerspricht. Nur Aharon wurde gesalbt, jedoch nicht seine Nachkommen im Amte. Beide Lehrsätze werden im Namen des R. Jehuda b. Ilai erwähnt. Wie. erklärt sich der Widerspruch? Ohne die Frage vorläufig zu losen, geht der Verf. zum Kgs. über. Hier hat Verf. eine neue schwerwiegende Frage: Die tannaitische Literatur spricht über den Kgs. an gewissen Stellen, während sie an anderen die Tradition überhaupt nicht kennt oder sie verschweigt sie. Eine weitere Schwierigkeit. Eine Quelle hielt den Kgs. für einen dem Hohenpriester untergeordneten Beamten, andererseits wird er dem Hp. vollkommen gleichgestellt, und von einer dritten Tradition werden ihm alle Pflichten des Hps. auferlegt, alle Privilegien desselben abgesprochen. Verf. schließt diesen Abschnitt mit der Bestimmung, daß der Kgs. sein Amt an seine Kinder nicht vererben kann, im Gegensätze zum Hps. Schließlich kommt Verf., zum Priestertum des Pinchas. Die erste Meinungsverschiedenheit besteht darüber, w an n P.sein Priestertum angetreten habe, ob zusammen mit Aharon und seinen Söhnen oder erst von Schittim an? Verf. hat ein geniales Universalmittel, diese Widersprüche zu lösen. Wir haben hier die Ansichten der hasmonäerfreundlichen Elemente einerseits und die der hasmonäerfeindlichen Kreise andererseits vor uns. Verf. gibt ausführlich die Dialoge der beiden Parteien wieder, in denen nebst deh obigen Halachoth noch eine Anzahl von Agadoth verarbeitet werden, die vi§le Jahrhunderte jünger sind als die Hasmonäer, ein pro und contra um die antihasmonäische und prohas. Politik ins helle Licht zu stellen. Jedoch gibt es auch andere Möglichkeiten, diese vermeintlichen oder wirklichen Widersprüche zu erklären. Es gab zwei Ansichten im Namen des R. Jehuda b. Ilai, nach der einen wurden die Hp. nicht gesalbt.