Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Besprechung der Gießener Mischna [Nachricht]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 2)
- Language
- German
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107 diesen Fehler zu einem ,,Dilettantenfehler“ gemacht, indem er aas Unkenntnis des Sachverhaltes die Ansicht Funks zur ״talmudischen Ueberlieferung“ erhobI Und ferner: Wenn jemandem, der ein Büchlein über die Ent- Stellung des Talmuds schreibt, manche Irrtümer unterlaufen, so ist dies zwar sehr bedauerlich, aber doch zu entschuldigen. Wenn man hingegen eine Arbeit über einen bestimmten Traktat veröffentlicht und dazu sich die Angaben aus einem populären Büchlein (Sammlung Göschen!) zusammenstellt, so ist eine solche Arbeit mehr als eine Dilettantenarbeit zu nennen. 3. Mir steht kein Text des Maim. zur Verfügung, der ,,diese Worte ausläßt“, nur scheint Herr Holtzmann noch immer nicht Maimuni verstanden zu haben. Zuerst möchte ich aber bemerken, daß H. die entscheidenden Worte aus meinem diesbezüglichen Satze ausläßt. Bei mir heißt es, ״daß Maim. kein Wort darüber zu dieser Steile hat (v g l. weiter)“. Ich habe also behauptet, daß Maim. zum Satze: איש כסותו בארץ kein Wort darüber hat, daß unter כסות Polster zu verstehen sei, weil die Priester ״auf ihrem heiligen Kleid nicht schlafen durften“. Nun führt' Holtzmann Maim. an, der zu dieser Stelle (nach der Gemara) erklärt, daß die Priester auf der Erde schliefen und nicht in Betten, weil man im Tempel kein Bettgestell zum Schlafen aufsteilen durfte. Steht, dies irgendwie mit meiner Behauptung in Widerspruch? Maim. äußert sich überhaupt nicht darüber, wie das Wort כסות zu verstehen ist; für ihn wie für die anderen jüdischen Erklärer könnte es sich hier nur entweder um ein profanes Kleid oder um ein Polster handeln, weil sie genau wußten, daß die ,,heiligen Kleider“ nicht כסות genannt werden können. Die Polemik B.s gegen Maim. wie gegen andere beruht also vollständig auf einem Mißverständnis. — Herr H. fragt: ״Welches Wort des Misclmatextes sagt, daß das Subjekt von 11b . . . sämtliche Priester sind?“ Es sagt dies nicht ein Wort, sondern der Zusammenhang. Die Mi. unterscheidet nur zwischen den alten Priestern, die auf den Mauervorsprüngen ruhten, und den jungen, die auf der Erde schliefen. In allem anderen aber waren sämtliche Priester gleich. Warum sollten denn die jungen Priester in den heiligen Kleidern nicht schlafen dürfen, die alten aber ja? So erklärt es auch II. selbst: ״Subjekt sind alle machthabenden Priester“ I — Holtzmanns Beantwortung meiner ״witzigen Frage“ zeugt von wenig Witz und Geist. ״Jeder auf (?) seinem Kleide . . . bezieht sich . . . auf das heilige Kleid.“ Auf welches denn? Sämtliche heiligen Kleider lagen doch unter ihren Köpfen, darunter auch die Hosen, die zu den heiligen Kleidern gehörten! Es gab überhaupt nicht e i n heiliges Kleid, und Herr R. gibt auf meine Erklärung, daß die heiligen Kleider (!) nicht כסות genannt werden können, gar keine Antwort. 4. Lustig ist, daß Herr Oscar Holtzmann angibt, ich hätte mit meinem ״großartigen Satze“ für die Uebersetzung von תחת mit ,,neben“ eintreten wollen. In Wahrheit ist bei mir kein Wort darüber zu finden. Ich habe damit nur gesagt, daß Herr II. kein Recht hat, gegen Maim. zu polemisieren, da er ihn gar nicht versteht und Maim. überhaupt nur die Gemara anführt, wo auch der Einwand Holtzmanns besprochen wird. תחת bedeutet natürlich ״unter“, und so habe ich es auch zunächst übersetzt. Die Gemara sucht aber aus halachischen Gründen diesem Worte hier den Sinn ״neben“ beizulegen. Ich habe weder durch meine zunächst gegebene wörtliche Ueber- Setzung die talm. Erklärung ausschließen, noch mit meinem späteren Hinweis auf diese mich mit ihr identifizieren wollen. Hätte ich ohne weiteres תחת mit ״neben“ übersetzen sollen? Ich glaube nicht, daß mich ein anderer Leser außer Herrn Holtzmann mißverstanden hat. Diese ganze Auseinander- Setzung über Dinge, die jeder ״Schüler“ wissen muß, ist für einen Ref. gar nicht lustig. Ich bin allerdings der altertümlichen Ansicht, daß das Lesen rabbinischer Texte die erste Voraussetzung für eine Mischnaarbeit ist, stimme aber hierin Herrn Holtzmann hei, daß damit noch nicht alles getan ist. Es ist noch mehr zu tun, viel mehr als Herr Holtzmann sich träumen läßt. Glaubt er aber, dieses Mehr durch seine Arbeiten zu leisten? Welcher Mangel an Selbsterkenntnis! Albeck.