Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 72 (1928)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1928-01-01
- Page
- Seite 635 (sequence 2)
- Language
- German
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635 beZeichnung, Aufreizung zum Klassenkampf, Reli gionsbeschi mpf ung und Gotteslästerung. An der Hand eines leider allzu reichhaltigen Materials von Einzelfällen zeigt Eyck, wie wenig die in derartigen Prozessen gefällten Ent- Scheidungen der Gerichte das normale Rechtsgefühl befriedigen, wie schmerzlich besonders wir Juden es empfinden müssen, wenn die Missetäter häufig straffrei oder mit kleinen Geldstrafen davonkommen, die in schreiendem Mißverhältnis zur Schwere der Tat stehen. Daneben finden auch bedauerliche Entgleisungen persönlicher Art seitens einzelner Richter und Staatsanwälte die gebührende Beleuchtung. Alle drei Reden klingen aus in der übereinstimmenden Forderung des gleichen Rechts für alle, auch für die jüdische Minderheit. Die Vorträge sind in einer auch dem gebildeten Nichtjuristen verstandliehen einfachen Sprache niedergelegt und werden hoffentlich bei allen, die es angeht, die verdiente Beachtung finden. Fragt man sich nach den Ursachen derartiger deprimierender ge riehtlieber Entscheidungen, so gibt die Scheuersche Schrift eine der wichtigsten Antworten auf diese Frage. Sie erörtert die Ausbreitung des Rassenantisemitismus in der deutschen Studentens chaft, der ja unsere Richter und Staatsanwälte samt und sonders entstammen. Ein nicht unerheblicher Teil von ihnen gehört der Burschenschaft an. Dieser bedeutsame Bestandteil der heutigen Studentenschaft ist völlig antisemitisch verseucht. Man erinnert sich noch der vor einigen Jahren gefaßten Eisenacher Entschließung, welche die Heirat eines Burschenschafters mit einem Neger- oder Judenweib mit der Strafe der Ausschließung und Infamierung ahndet. Für diese Haltung beruft sich.die Burschenschaft auf die angeblichen Grundsätze der Urburschenschaften. Zu Unrecht, wie der Verfasser in genauer historischer Darstellung an Hand der Satzungen örtlicher Burschenschaften nachw'eist. Im zweiten Teil der Schrift beleuchtet er das allmähliche Eindringen des antisemitischen Bazillus in die Burschenschaft während der beiden letzten Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts und die ungeheure Infektion in den Jahren nach dem Weltkriege. Kein schlimmeres Anzeichen für die geistige Verranntheit der jungen Leute ist denkbar als die Ausschließung des Bonner Historikers Erman aus ihren Reihen, weil dieser es wagte, an die freiheitlichen Traditionen der Farben schwarz-rot-gold zu erinnern und ihre Unvereinbarkeit mit der heutigen Haltung der Burschenschaft festzustellen. Erman erwiderte hierauf mit Recht in seiner Schrift: ,,Schwarzrotgold und Schwarzweißrot“: ״Ich bemühe mich, dies Schicksal mit Würde zu tragen. Es hat jedenfalls den Vorteil, daß ich künftighin frei bin von jedem Verdacht geistiger Gemeinschaft mit den Verleugnern der Idee Schwärzrotgold, die sich heute in irreführender Weise Burschenschafter nennen. — Ich hin und bleibe mir bewußt, Burschenschafter zu sein im Sinne Jahns, Fichtes und Arndts; die halcenkreuzlerischen Renegaten, die sich heute diesen Namen aumaßen, können mir diese Eigenschaft gar nicht absprechen, vielmehr spreche ich sie ihnen ab vor dem Gerichtshof der Geschichte und bin im voraus sicher, wie sein Urteil lauten wird.“ Es bedarf keiner besonderen Phantasie, um sich vorzustellen, was für Unheil die Jünglinge, die solche Männer aus ihren Reihen stoßen, anzurichten imstande sind, wenn sie wenige Jahre später über Ehre, Freiheit und Vermögen andersgesinnter Mitbürger und gar von Juden. zu Gericht sitzen sollen. Breslau. Rechtsanwalt und Notar Ludwig Foerder. Br. Nathan Birnbaums Im Dienste der Verheißung. Hermon Verlags-A.-G., Frankfurt a. Main 1927, 82 S. Dr. Sch. Federbusch.: שלמות דיהדות. Misrachi - Weltzentrale Jerusalem. 5687, 44 S. Die jüdische Publizistik ist um zwei kleine Schriften bereichert worden, deren Bedeutung über das Interesse des Tages hinausgeht. Verschieden in Sprache und der Weisung des Weges berühren sie sich in ihrer jüdischen Grundeinstellung und letzten Zielbestimmung. Beiden ist Judentum heiliges Gesamtvolkstum und beide fordern eindringlich dessen volle Verwirklichung, Birnbaum wendet sich anklagend und aufrufend vornehmlich an den überlieferungstreuen Teil der Judenheit. Statt wenigstens seinerseits ״in stiller Arbeit die jüdische Seele auf- und zum Weltparadigma auszubauen“